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Dienstag, 3. Oktober 2023

Kätzchenzähmen ist nichts für Weicheier

 


Klappentext:

Tyler Felonsteins Bestimmung führt ihn um die ganze Welt und nirgendwo hält er sich länger als nötig auf. Er sieht, was normalen Menschen verborgen bleibt, und bekämpft als flüchtiger Schatten in der Nacht die Monster, die die Menschheit auf die eine oder andere Art bedrohen.

Sein neuester Auftrag bringt ihn in die nächtlichen Gassen von Hamburg und dort hat er gleich mehrere unliebsame Begegnungen.

 

Torben Fuchs ist ein erfolgreicher Comicbuchautor. Seine Superhelden sind dabei nicht nur Unterhaltung für die Leser, sondern bieten ihm selbst die Möglichkeit, seine Zeit am Zeichentablett mit diesen großen, starken Männern zu verbringen, die ihn im wahren Leben schlicht übersehen.

Eine merkwürdige Beobachtung in der Gasse neben seinem Haus liefert ihm die Idee für eine brandneue Serie.

In seinem Kopf und im Computer entsteht ein neuer Superheld, der dem Fremden aus der Gasse sehr ähnlich ist, aber wieso steht ebendieser Traummann plötzlich in Torbens Bürotür und verlangt, dass er mitkommt?

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[Leseprobe] Kätzchenzähmen ist nichts für Weicheier

 

1 ~ Tyler

Ich hasse die Nacht, hasse das, was sie aus mir macht, aber danach hat noch nie jemand gefragt.

Wieso nicht?

Wieso interessiert es niemanden, ob ich können will, was man mir auferlegt hat?

Nacht für Nacht laufe ich durch die Straßen irgendeiner Stadt, eines Dorfes, einer Metropole, doch nie erreiche ich mein Ziel.

Nie finde ich, was ich wirklich suche.

Die Einzigen, die mir begegnen sind Obdachlose, Polizisten, Gangster …

Nun ja, so ganz stimmt das nicht.

In dieser Nacht schlendere ich ziel- und planlos durch die Straßen von Hamburg. Es hat einen Grund, wieso Libby mich hierher geschickt hat, aber noch kenne ich ihn nicht.

Erst vor zwei Wochen bin ich aus Indien zurückgekehrt.

Ein Seufzen entkommt mir in Erinnerung an das Chaos, das ich dort erlebt habe.

Mit einem heftigen Kopfschütteln versuche ich, die grausamen und brutalen Bilder loszuwerden.

Mein Leben besteht aus Blut, Tod, Tragödien.

Nichts davon habe ich je gewollt oder gar verlangt!

„Du willst mich doch verarschen“, knurre ich und bleibe in einer schmalen Gasse stehen, ohne mich umzuwenden.

Nur mein Kopf dreht sich nach links und ein verächtliches Schnauben entkommt mir.

Das tiefe Grollen der Gestalt keine zwei Meter hinter mir lässt mich bösartig grinsen und ich warte auf eine echte Reaktion desjenigen, der versucht hat, sich an mich heranzuschleichen.

Niemand von seiner Art kann das.

Ich bin der Schild, der seinesgleichen abwehren kann.

Soll ich ihn näherkommen lassen?

Mit einem sicherlich furchtbar hochmütigen Gedanken hebe ich die Sicherheitszone um mich herum auf und warte ab.

Das anhaltende Grollen wird zu einer rauen Stimme. Sehr tief, kaum entzifferbar, aber ich verstehe die Sprache, in der er spricht, verstehe jede Sprache, in der seine Gattung sich artikulieren kann.

„Du wirst heute Nacht sterben“, erklärt er, was mir ein weiteres Schnauben entlockt.

„Ich vermutete ja schon, dass du mich verarschen willst …“, sage ich und strecke meinen rechten Arm aus.

Er kommt näher und während er sich in Sicherheit wiegt, materialisiert sich das einschneidige Schwert aus purem Licht, das in meinem Arm ruht, wenn ich es nicht brauche.

Eine einzige, fließende Bewegung, dann rollt der Kopf meines Möchtegern-Angreifers in die Schatten zwischen ein paar Kisten, die halbherzig zu den Müllcontainern gestellt wurden.

„Das wird dich nicht schützen“, grollt der Kopf dumpf aus dem Müllhaufen und ich trete näher heran, um ihn mit meinem Stiefel herumzudrehen.

„Würdest du bitte nicht so nuscheln?“, verlange ich höflich, als sich sein Gesicht zu mir wendet.

„Du hältst dich für schlau, Felonstein, aber du solltest hin und wieder hinter dich blicken.“

Im nächsten Moment begreife ich mit einem Fluch, dass ich tatsächlich nicht mit weiteren Angreifern gerechnet habe, und dieser hier nur eine Ablenkung war.

Ich schaffe es nicht, meinen Schild wieder aufzubauen, bevor sich glitschige, schwarze Tentakel um meinen Hals schlingen und unerbittlich zudrücken.

Shit! Tyler, tu was!

Ich drehe mich, soweit ich kann, und verteile Hiebe und Schläge mit meinem Schwert. Das Licht schneidet durch die Tentakel und ich klappe nach Luft ringend zusammen.

Eine Falle! Eine gottverdammte Falle mitten in Hamburg!

„Pavois!“, flüstere ich mühsam und spüre, wie mein Schutzschild sich ausdehnt, mir die Feinde vom Leib hält und sie zugleich angreift.

Ich hasse die Nacht.

Ich hasse mein Leben.


 

2 ~ Torben

Puh! Endlich bin ich mit dem Großreinemachen in meinem Schlafzimmer fertig.

Es wurde echt langsam Zeit. Seit Monaten habe ich die frisch gewaschenen Klamotten immer nur in die Schrankfächer gestopft, meine Schuhe beim Ausziehen in irgendwelche Ecken getreten und die schmutzige Wäsche hinterhergeworfen.

Als ich heute Morgen aufgestanden bin, habe ich mich umgesehen und festgestellt, dass ich ein echter Chaot geworden bin.

Geworden ist gut. Meine Mutter hat mich Zeit meines Lebens als Dreckspatz und Schlampe bezeichnet. Damit lag sie vollkommen richtig, denn ich war schon als Kind eine Katastrophe in Bezug auf das Halten von Ordnung.

Damit ist jetzt Schluss!

In ein paar Tagen werde ich vierundzwanzig und es ist an der Zeit, erwachsen zu werden.

Natürlich nicht in allen Bereichen, denn als Comic-Zeichner muss ich die Welt mit anderen Augen betrachten. Ich darf auf keinen Fall meine Fantasie ausbremsen, muss meine eigenen Realitäten bewahren, in denen ich als Superheld die Menschheit vor bösen Mächten oder Dämonen beschütze.

Okay, Superhelden putzen in ihren Abenteuern nie, aber ich will auch nicht länger in meiner Unordnung leben.

Immerhin verlangen die Bosse meines Verlages, dass ich zweimal im Monat zu einer Besprechung antanze. Vor jedem Termin werde ich hektisch, weil ich waschen oder bügeln muss, damit meine Klamotten halbwegs anständig aussehen.

Obwohl ich total kaputt bin, bin ich stolz auf mich.

Alles liegt sortiert und ordentlich gefaltet in den frisch ausgeputzten Fächern. Die Schuhe stehen im dafür vorgesehenen Regal und alles, was ich schon länger nicht mehr getragen habe, befindet sich in zwei großen stabilen Plastikbeuteln an der Tür.

Ich werfe einen Blick auf meine Armbanduhr.

Hm, nach Mitternacht. Mir ist gar nicht aufgefallen, dass es schon so spät ist.

Egal! Jetzt bringe ich meine Arbeit auch zu Ende.

Wohnungsschlüssel einstecken, die ziemlich schweren Säcke schultern und ab nach unten.

In dem Acht-Familien-Haus, in dem ich wohne, stehen die Müllcontainer in einer schmalen Nebenstraße an der Hauswand.

Sobald ich die ziemlich dunkle Gasse betrete, höre ich komische Geräusche.

Es dauert etwas, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, aber dann sehe ich einen ziemlich großen Mann, der blitzschnelle Bewegungen mit seinem rechten Arm vollführt. Man könnte meinen, er kämpft mit einem Schwert.

Tiefes Grollen, wie von einem Bären, dringt zu mir herüber.

Ich stelle meine Last möglichst leise ab, schleiche zu den Müllcontainern und ducke mich dahinter.

Der Mann spricht mit jemandem, obwohl ich außer ihm niemanden sehen kann.

Nach einer schnellen Drehung nähert er sich den Containern und ich ziehe den Kopf ein, damit er mich nicht bemerkt.

Erneut murmelt er vor sich hin, wonach ein triumphierendes Grollen erklingt.

Der Fremde dreht sich um, fuchtelt wieder mit dem Arm. Danach röchelt er, als bekäme er keine Luft, und kippt um wie ein gefällter Baum.

Ohne nachzudenken, schieße ich aus meinem Versteck und eile auf den am Boden Liegenden zu.

Er flüstert etwas, aber in meiner Aufregung verstehe ich kein Wort.

Ich knie neben ihm nieder, rüttle leicht an seiner Schulter und frage: „Geht es Ihnen gut? Was ist passiert? Kann ich Ihnen helfen?“


 

3 ~ Tyler

Kann diese Nacht noch schlimmer werden?

Sie kann. Offensichtlich.

Jemand hat mich gesehen und vermutlich auch mitbekommen, wie seltsam ich mich benommen habe.

Weder mein Schwert noch meine Angreifer sind für normale Menschen sichtbar.

Ich rolle mich am Boden zusammen und blinzle nach oben.

Hm, ein Mann, zu sauber für einen Obdachlosen, zu normal gekleidet für einen Bullen oder einen Gangster …

Ich atme tief durch und springe auf, warte, bis er sich wieder erhoben hat und lasse mein Schwert in einer beiläufigen Bewegung zurück in meinen Arm gleiten.

„Es geht mir gut“, antworte ich und wende mich zum Ausgang der Gasse, an der der milde Lichtkegel einer Straßenlaterne den Bürgersteig bescheint.

Der Typ folgt mir, auch wenn ich ihn viel lieber losgeworden wäre.

„Was ist los mit Ihnen? Wieso sind Sie einfach so zu Boden gegangen nach Ihren … Ninja-Bewegungen?“

Ich bleibe seufzend stehen und wende mich ihm zu.

„Alles ist in Ordnung. Ich bin gestolpert. Danke für Ihre Sorge, aber ich muss jetzt gehen.“ Ohne auf seine Antwort oder weitere Fragen von ihm zu warten, schiebe ich meinen Mantel beiseite und die Hände in die Taschen meines Hoodies, bevor ich die Straße hinab wandere.

Er wird mir hoffentlich nicht folgen und ich habe für heute wirklich die Schnauze voll!

Tja, vielleicht hätte ich die Messlatte für eine Scheißnacht in Hamburg nicht so tief hängen sollen, denn nun beginnt es zu allem Überfluss auch noch zu schütten wie aus Kübeln.

Trotz meines halblangen Ledermantels werde ich innerhalb von Sekunden vollkommen durchnässt und wünsche mir im Stillen einen Schutzschild gegen Regen …

Wieso hat noch keiner an so was gedacht?

Hm, vielleicht, weil der Fluch, den irgendein Sonnenscheinchen sicherlich als Gabe ansehen würde, offensichtlich dazu gedacht ist, mich für irgendwelche Missetaten in sämtlichen Vorleben zu bestrafen.

Tropfend wie eine Katze, die in der Badewanne gelandet ist, betrete ich das kleine, heruntergekommene Hotel, in dem ich derzeit wohne.

Man könnte echt meinen, Hamburg hätte für mich mehr zu bieten als Hinterhalte und Hotels, in denen mehr Leben in als auf den Matratzen zu finden ist …

Egal.

Ich muss jetzt erst mal ultraheiß duschen und wieder warm werden, anschließend sollte ich meinen Laptop nutzen und das Netz durchsuchen, um herauszufinden, wieso dieser Wicht von einem Besiedler es schaffen konnte, mich so abzulenken!

Ich muss mit Stan reden, nur er kann mir sagen, wie das überhaupt möglich war!

Selbst nach der Dusche, mit einem Handtuch um die Hüften und wieder warm, spüre ich die unerbittlichen Griffe der Tentakel um meinen Hals.

Ich strecke den Nacken und drehe den Kopf, um die Verspannungen loszuwerden.

Nachdem ich mich halbherzig angezogen habe – Sweatpants, T-Shirt, Socken – werfe ich mich mit einem angewiderten Blick auf das Bett und ziehe den Laptop an mich heran.

Stan zu mailen, geht schnell. Er wird mich anrufen, wenn er irgendwelche Hinweise findet, denen ich folgen kann.

Immerhin bin ich hier in der Stadt, die man das Tor zur Welt nennt, weil ich von Stan und Libby hergeschickt wurde …


 

4 ~ Torben

Wie ein begossener Pudel, im wahrsten Wortsinn, stehe ich noch ein paar Minuten in der Gasse und gucke diesem extrem unfreundlichen Typen nach.

Ja, er hat sich für meine Sorge bedankt, aber in einem Ton, der deutlich ausdrückte, dass meine Fragen ihn nerven und ich mich verpissen soll.

Nass wie besagter Hund stapfe ich durch den Hausflur nach oben.

Meine Nachbarin wird morgen wieder anklingeln und meckern, dass ich Pfützen im gesamten Treppenhaus hinterlassen habe.

Die alte Schnepfe findet jede Woche einen Grund, mich für irgendwelchen Scheiß anzumaulen. Völlig egal, ob ich der Verursacher war. Sie lässt mich auch nie zu Wort kommen, gibt nur ihre Tirade von sich, dreht sich um und geht.

Meine Mitmenschen gehen mir mittlerweile immer mehr auf den Sack. Sei es beim Einkaufen, Autofahren oder einem Spaziergang im Park.

In den Läden wird man angerempelt, Entschuldigungen sind ein Fremdwort geworden. Auf den Straßen sind zum Großteil hirnlose Idioten unterwegs, die drängeln oder einem kackfrech die Vorfahrt nehmen.

Noch schlimmer sind allerdings diese alten weißen cis Männer, die meinen, sämtliche Wege in den Parks wurden nur für sie und ihre Fahrräder gebaut. Klingeln, damit man weiß, es nähert sich ein Rad, ist vollkommen out. Mit wenigen Millimetern Abstand zischen diese Typen an einem vorbei, dass man fast einen Herzinfarkt erleidet. Wenn man etwas dazu sagt, werden sie auch noch rotzig.

Für mich ist die Welt zu einem furchtbaren Ort verkommen. Rücksicht, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind Worte, die nur noch im Duden existieren.

Es sollte also niemanden wundern, wenn ich mich in meiner Wohnung einigle und nur im äußersten Notfall nach draußen gehe.

Diese negativen Gedanken sorgen dafür, dass ich mir wütend die nassen Klamotten vom Leib reiße. Im letzten Moment fällt mir ein, dass ich ja ordentlicher werden will, daher hänge ich alles auf das kleine Trockengestell an der Heizung.

Sobald ich unter der Dusche stehe und das angenehm temperierte Wasser meine kalte Haut erwärmt, schweifen meine Gedanken wieder zu der merkwürdigen Szene in der Gasse.

In der ganzen Aufregung habe ich die Gefühle, die mich beim Zusehen überkamen, gar nicht registriert. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich um den unfreundlichen Typen herum eine extrem starke Aura von Bedrohung wahrgenommen habe.

Trotz des heißen Wassers jagt diese Erinnerung eine dicke Gänsehaut über meinen gesamten Körper.

Ich trete aus der Dusche und ziehe nach dem Abtrocknen meinen flauschig-warmen Bademantel an.

Meine Fingerspitzen kribbeln, ich muss zeichnen! Sofort!

Mit wenigen Strichen skizziere ich das Szenario in der Gasse.

Ein großer Mann, ganz in schwarz gekleidet, hält ein blitzendes, silbernes Schwert in der Hand und kämpft gegen … schemenhafte Monster.

Während ich die Zeichnung betrachte, ergeben die Armbewegungen des bärbeißigen Kerls endlich einen Sinn.

Ich schließe die Augen, spule die ganze Begebenheit in meinen Gedanken wie einen Film nochmals ab.

Eindeutig! Er hat gegen jemanden gekämpft, hat mit diesem Wesen auch gesprochen, obwohl ich nur angsteinflößendes Grollen und Brummen gehört habe.

Meine Finger mit dem Zeichenstift fliegen über das nächste Blatt.

Ich hauche den Monstern Leben ein, lasse sie den Helden von allen Seiten angreifen. Köpfe rollen, Tentakel fallen zu Boden, sobald sie sich um den Hals den Kämpfers geschlungen haben.

Triumphierend steht er am Ende da, hat alle Ungeheuer vernichtet. Von ihnen bleibt nur eine schwarze, wabernde Pfütze zurück.

Yeah! Ich habe eine neue Graphic Novel im Kopf, die ich bei der nächsten Sitzung mit den Verlagsheinis vorstellen werde. Mal sehen, was diese oft mäkeligen Herrschaften davon halten.

Am liebsten würde ich sofort damit beginnen, die Eröffnungssequenz mit meinem Zeichentablett am PC zu erstellen, aber es ist schon verdammt spät und ich brauche meinen Schlaf.

Außerdem, wenn mich eine Idee gepackt hat, suchen mich meist sehr intensive Träume dazu heim und so entwickeln sich sehr viele Folgen mit dem Superhelden.


 

5 ~ Tyler

„Hey Ty, wir sind gelandet und sitzen im Taxi. Sag mir bitte, dass du nicht wieder die hinterletzte Kaschemme als dein Domizil für den Aufenthalt in einer wunderschönen Stadt wie dieser ausgesucht hast“, plappert Libby mir in die noch nicht ganz wachen Ohren und ich setze mich abrupt auf, um mir über das Gesicht zu reiben.

„Äh … doch. Sucht euch was anderes, ich komme zu euch, wenn ihr eingerichtet seid“, antworte ich und sehe mich gähnend in meinem wirklich gruseligen Hotelzimmer um.

Die vergilbte Tapete stammt sicherlich noch aus den Zeiten, in denen man im Hotel rauchen durfte …

Egal, ich sollte mich besser auf Libbys endloses Geplapper konzentrieren, bevor sie mich anbrüllt oder auflegt, bevor sie ein Hotel gefunden hat.

Stan und Libby sind meine besten Freunde, wenn ich so etwas habe. Beide haben gewisse Fähigkeiten und helfen mir, die Typen zu finden, die ich vernichten soll.

Meist finden diese Kreaturen jedoch mich – wie gestern Nacht.

„Wir sind im dem Congresszentrum angeschlossenen Hotel, vierzehnter Stock, Zimmer 1428“, erzählt sie mir und ich muffele eine Bestätigung.

„Bin in einer Stunde dort.“

Smartphone weg, raus aus dem Bett und nichts wie ins Bad. Dieser winzige Raum sieht erstaunlich sauber und ordentlich aus im Vergleich zum Schlafzimmer.

Duschen, rasieren, Zähne putzen, anziehen, dann verlasse ich mit Schlüsseln und Portemonnaie das Hotel, um mich auf den Weg zu machen.

Hinter dem heruntergekommenen Haus auf dem Parkplatz steht mein Leihwagen. Ich steige ein, programmiere den Namen des Hotels in meine Navigationsapp und fahre los.

Ich muss zugeben, jetzt in der Mittagszeit – ohne Regen und mit hin und wieder durch die Wolkendecke brechenden Sonnenstrahlen – ist Hamburg wirklich wunderschön.

Eine Schande, dass mich nicht ein Städtetrip, sondern ein komplizierter Auftrag hergeführt hat.

Ich benötige weniger lange, als ich dachte, und fahre in die Tiefgarage unterhalb des Congresszentrums.

Die Fahrt mit dem Aufzug erspare ich mir – enge Metallkästen an vergleichsweise dünnen Stahlseilen gefallen mir nicht.

Außerdem ist das Treppensteigen ein guter Ausgleich für Jogging, mit dem ich mich sonst gern fit halte.

Stan öffnet mir die Tür zu einer Suite und ich sehe mich mit einem verächtlichen Grinsen in dem unglaublich gemütlich und schön eingerichteten Hauptraum um.

Libby grüßt mich von jenseits eines gewaltigen Blumengestecks auf dem Esstisch und ich umrunde ihn, um sie zu begrüßen.

Wie immer sitzt sie im Schneidersitz auf ihrem Stuhl und hackt mit fliegenden Fingern irgendwelche Buchstabenfolgen in ihren Laptop.

„Hey, wie war der Flug?“, erkundige ich mich.

„Sehr gut“, erwidert Stan. „Setz dich, wir wollen gleich den Zimmerservice anrufen, also solltest du dir schon mal was aussuchen.“

Er legt mir eine edel aussehende Karte hin und ich schnaube überrascht, als ich meine absolute Leibspeise – Cheeseburger mit Fritten – darauf entdecke.

Ich beschließe, den angegebenen Preis zu ignorieren und Stan nimmt meine Bestellung auf, bevor er den Zimmerservice anruft.

Libby winkt mich näher.

„Hamburg hat etliche Kameras auf den Straßen, die den Verkehr überwachen. Aber die Gasse, in der du warst, habe ich natürlich nicht auf Film gefunden. Dafür die Hauptstraße, über die du da hineinmarschiert bist.“

Ich sehe über ihre Schulter und blicke auf das Video, das sie abspielt.

Bevor sie etwas sagen kann, sehe ich den Typen, der mich in der Gasse angesprochen hat.

Er schleppt zwei Säcke um die Hausecke und verschwindet.

„Er war zu derselben Zeit in der Gasse wie du, Ty“, sagt sie und klingt besorgt.

Ich nicke und setze mich seufzend neben sie an den Tisch. Mit beiden Händen fahre ich mir durch mein zotteliges Haar und seufze. „Er muss mich gesehen haben. In jedem Fall hat er mitbekommen, dass ich zusammengeklappt und am Boden gelandet bin.“

„Aber nicht, wie du gekämpft hast?“, hakt Stan nach, der seine telefonische Bestellung beendet hat und näher tritt.

„Doch, ich denke, er hat es gesehen. Aber da er weder meine Angreifer noch Salvatia sehen konnte, dürfte er mich einfach für einen verrückten Spinner halten.“

Den Namen meines Schwertes erwähne ich selten, und als ich es jetzt tue, wird mein rechter Arm warm und ich massiere ihn gedankenverloren.

„Du hast mit ihm geredet? Hat er dich angefasst?“, will Stan alarmiert wissen.

Ich sehe zu ihm hoch und blinzle, während ich darüber nachdenke. „Hm, er hat meine Schulter berührt, als ich am Boden lag. Er kniete neben mir.“

„Merde!“, entfährt es Libby und ich kichere verblödet.

„Seit wann fluchst du auf Französisch?“

„Lenk nicht ab, Ty! Wenn er dich berührt hat, könnte er Reste von den Angreifern angefasst haben!“, weist Stan mich zurecht.

Ich weiß, dass er recht hat, aber ich kann es sowieso nicht mehr ändern!

„Mach mich nicht an, Stan“, sage ich genervt. „Der Typ hat nichts gesehen, also wird er nach Hause gegangen sein und alles ist gut.“


 

6 ~ Torben

Nach einer fürchterlichen Nacht reißen mich die im Dauerbetrieb schrillende Türklingel und heftiges Wummern gegen meine Wohnungstür abrupt aus dem Schlaf.

„Torben! Mach auf, ich weiß, dass du da bist!“, brüllt jemand mit panischer Stimme.

Niko! Mein bester Freund und einer der wenigen, der näher an mich herankommt.

„Boah! Was veranstaltest du denn für ein Theater? Ist jemand gestorben?“, frage ich mürrisch, nachdem ich ihn reingelassen habe.

Mit in die Seiten gestemmten Armen guckt er mich aufgebracht an.

„Ja! Ich dachte, du liegst hier tot rum. Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“

Nach einem Blick auf mein linkes Handgelenk verstehe ich, was er meint. Es ist zehn nach zwei und ich war mit ihm um zehn Uhr zum Frühstück verabredet.

„Oh verdammt, tut mir echt leid. Ich war die halbe Nacht wach, weil mich ultramiese Träume immer wieder aufgeschreckt haben.“

„Dann ist es ja gut, dass ich Brötchen mitgebracht habe. Du hast hoffentlich Belag im Haus?“ Wie eine Trophäe schwenkt er einen Stoffbeutel vor meiner Nase hin und her.

„Ja, habe ich. Deck schon mal den Tisch, ich springe schnell unter die Dusche.“

Kaum habe ich die Badezimmertür hinter mir geschlossen, überkommen mich Beklemmungen und Angst.

Ich gucke mich um, ziehe sogar den Duschvorhang zur Seite, aber hier ist niemand.

Der Blick in den Spiegel lässt mich zusammenzucken.

Himmel, ich habe dunkle Ränder unter den Augen und überhaupt sehe ich aus, als hätte ich drei Wochen nicht geschlafen.

Nach dem Duschen, Zähneputzen und Rasieren bin ich zumindest halbwegs vorzeigbar.

Allerdings ist das ängstliche Gefühl immer noch da und begleitet mich auch ins Schlafzimmer, während ich mich anziehe. Erst als ich wieder im Wohn-Esszimmer stehe, verschwindet es.

Nico war echt fleißig. Der Tisch ist gedeckt, aus den Kaffeebechern steigt Dampf auf und verbreitet seinen aromatischen Duft.

„Danke, du bist mein Lebensretter“, sage ich albern, um wenigstens den Eindruck zu erwecken, ich wäre wieder okay.

„Jaja, und jetzt hock dich hin. Ich will wissen, warum du so scheiße aussiehst. Was ist passiert?“

Nach den ersten Schlucken aus meiner Tasse erzähle ich Nico, was ich gestern Nacht in der Seitenstraße beobachtet habe.

„Warte, ich zeig es dir.“ Ich springe auf und hole die Zeichnungen aus dem Arbeitszimmer.

Kurz verharre ich, da mich schon wieder diese komischen Gefühle überkommen. Anscheinend passiert das, wenn ich allein bin.

Ich ignoriere die körperweite Gänsehaut und gehe wieder zu Nico.

Er sieht sich an, was ich zu Papier gebracht habe.

„Hast du diese Dämonen oder was auch immer sie sind, wirklich gesehen?“, fragt er.

„Nein, natürlich nicht. Aber nachdem ich den Kerl gezeichnet hatte, schwirrten die Bilder der Angreifer plötzlich durch meinen Kopf.“

„Echt genial! Daraus kannst du wirklich was machen. Aber du hast mir noch nicht gesagt, warum du kaum geschlafen hast.“

Gute Frage. Wenn ich ihm erzähle, wie real diese Monster in meinen Träumen waren, hält er mich für verrückt.

Ich habe die Viecher gerochen, ihre gutturalen Laute gehört und sie haben mich umzingelt, mir den Atem geraubt …

Danach bin ich dann jedes Mal schweißgebadet aufgewacht.

Nico sieht mich die ganze Zeit aufmerksam an.

„Ach, Albträume halt. Ich erinnere mich aber nicht an Einzelheiten“, wiegle ich ab.

Er gibt ein „Hm“ von sich und ich sehe ihm an der Nasenspitze an, dass er mir nicht glaubt.

Da ich nicht weiter darüber reden will, wechsle ich das Thema.

Nico ist in erster Linie Illustrator von Kinderbüchern für einen Verlag. Da man davon allein nicht leben kann, arbeitet er nebenbei für Werbefirmen und entwirft ansprechende Verpackungen für Nahrungsmittel und Getränke. Damit hat er auch sein Studium finanziert.

„Wie ist denn bei dir die Auftragslage? Hast du viel zu tun?“ Hoffentlich lässt er sich damit ablenken.

„Ich kann nicht klagen. Eigentlich habe ich gar keine Zeit, so lange bei dir rumzusitzen“, erklärt er und lacht.

„Dann sieh zu, dass du deine Brötchen mampfst und dann verschwindest.“

„Charmant wie immer, Torben. Wundert mich nicht, dass die Kerle nach einem One-Night-Stand weglaufen.“ Breit grinsend sieht er mich an.

„Ach, jetzt werden wir auch noch persönlich“, pampe ich und grinse fies.

Er weiß, dass ich es nicht böse meine oder beleidigt bin. So reden wir immer miteinander.

Eine halbe Stunde später verabschiedet er sich wirklich und sobald ich die Wohnungstür geschlossen habe, bekomme ich wieder diese Beklemmungen.

Ich suche alle Räume ab und schließe sämtliche Fenster, sogar die Schlüssel an Schranktüren drehe ich herum.

Es hilft nichts, das miese Gefühl bleibt und sämtliche Härchen auf meinen Armen stehen zu Berge.

Torben, du hast einen Knall! Geh arbeiten, dann bleibt dir keine Zeit, über diesen Scheiß nachzudenken.

7 ~ Tyler

Ich will nicht hören, was Libby mir am Telefon erzählt, als ich nach zwei ereignislosen Nächten wieder in der Nähe der Gasse unterwegs bin, in der der Besiedler mich in eine Falle hat tappen lassen.

Auch wenn mir so etwas wie Angst oder das Gefühl von aufsteigender Furcht vollkommen abgehen, weil es schlicht nichts zu fürchten gibt für jemanden, der beinahe in jeder Nacht gegen die fiesesten Dämonen kämpft, bereiten mir die letzten Ereignisse Sorgen.

Nicht einmal meinen eigenen Tod fürchte ich. Mein Platz in der Hölle ist längst reserviert und es wird ein endloser Spaß werden, ausgerechnet mit denen das Nachleben zu verbringen, die ich persönlich in die Kreise der Hölle geschickt habe.

Ich finde, der Vergleich mit einem erfolgreichen Detective, der in den Knast gesperrt wird, in dem die Hälfte der Insassen seinetwegen einsitzen, passt wirklich gut.

Nun ja, ich sollte vielleicht lieber zuhören, was Libby zu sagen hat.

Gestern haben sie und Stan die Gasse über die Videoüberwachung im Auge behalten. Der Kleine, der seinen Müll mitten in der Nacht loswerden wollte, hat sein Haus nur einmal verlassen. Sich dabei ständig umgesehen, ob ihn jemand verfolgt hat.

Im Gegensatz zu mir ist Libby sehr besorgt und Stan hat sich bereits zweimal mit mir gestritten, damit ich ihre Sorge ernster nehme.

Fällt mir im Traum nicht ein!

Ich habe das Video gesehen, in dem er wie ein verschrecktes Kätzchen über den Bürgersteig geschlichen ist.

Vielleicht hat er einfach eine Macke oder er mag seine Mitmenschen so gern, wie ich meine?

„Libby … Was soll ich deiner Meinung nach machen? In der Gasse campen und abwarten, ob er wieder auftaucht? Wieso sollte er?“, meckere ich und sehe mich um, ob mich jemand reden hört.

Libby und Stan sind seit gestern in einem Haus schräg gegenüber der Gasse und haben bemerkt, dass der mögliche Zeuge meiner nächtlichen Tätigkeiten manchmal seine Jalousetten auseinanderschiebt, um rauszusehen.

Insgesamt erscheint Libby dieses Verhalten besorgniserregend.

Natürlich, sie hat einen sechsten und siebten Sinn für solche Dinge.

Wenn sie vermutet, dass er mit seiner Berührung an meiner Schulter ein Tor in die Hölle aufgestoßen hat, durch das er nun heimgesucht wird, dann ist das durchaus im Bereich des Möglichen.

„Und was, wenn ein Besiedler bei ihm einzieht?! Du klingelst jetzt bei ihm und fragst, ob er in Ordnung ist!“, schimpft sie mich an und ich schaffe es nur mit Mühe, nicht nach oben zu ihrem Beobachtungsposten zu sehen und ihr einen Vogel zu zeigen.

„Du spinnst doch! Libby, wenn du nachsehen und dich vergewissern willst, dann machst du das. Ich komme, sobald du Hilfe brauchst, aber ich bin für diese Samariternummer nicht gemacht!“, zischele ich.

„Ich weiß“, sagt sie und die zwei Worte klingen mehr wie ein tiefes Seufzen.

Stan murrt im Hintergrund, sicherlich hört er zu …

„Stan, du kannst sie begleiten. Wenn ihr was findet, sehe ich es mir heute Nacht an.“

Noch ist es nicht dunkel, aber es ist bereits nach 18 Uhr.

Montag, 6. September 2021

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Mit diesem vierten Band ist der Jahreszeiten-Zyklus von Gay-fusioN GbR abgeschlossen.

Es handelt sich um zwei voneinander unabhängige Geschichten.

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Gewolltes Glück - Spiel 3

 


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Doktor Pförtners verschärfte Therapiebedingungen, schicken Wolf in die Hölle seiner Vergangenheit.

Sich steigernde Flashbacks, die er allein zu bewältigen versucht, lassen ihn den Bezug zur Gegenwart verlieren, den nur Kilians bedingungslose Nähe wiederherstellen kann.

Kilians Freundschaft anzunehmen, fällt Wolf erstaunlich leicht, aber dessen Hilfe einzufordern, gelingt ihm erst, als es wirklich darauf ankommt.

 

Aber wie lange dauert es, den letzten – und wichtigsten – Schritt zu gehen?

 

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Spiel 3 der Valentine-Trilogie

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Ungewolltes Leid - Spiel 2

 






Klappentext:

Vergangenheitsbewältigung gehört nicht zu Wolfs Stärken, und doch schaffen Kilian und er es, sich immer weiter aufeinander einzulassen.

Ihre Liebe könnte nicht tiefer sein, doch Wolfs zunehmende Zusammenbrüche, die er nicht bereit ist, zu erklären, machen es Kilian sehr schwer, noch an die Liebe zu glauben.

Ein folgenschwerer Zusammenstoß auf dem Hamburger Frühlingsdom ändert alles.

Vergangenheit und Gegenwart kommen einer gemeinsamen Zukunft in die Quere.

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Spiel 2 der Valentine-Trilogie

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Sonntag, 25. August 2019

Ungewolltes Verlangen - Spiel 1


Klappentext:

Seinem persönlichen Paradies den Rücken zu kehren, ist für Wolf Moss keine Frage des Willens, sondern reiner Selbstschutz.
Angst und Verzweiflung zwingen ihn, sein lukratives Doppelleben als Bürokaufmann und Edelcallboy aufzugeben und in seiner Heimatstadt Weidenhaus ein unauffälligeres Leben zu führen.
Um die Zeit zwischen frisch eingerichteter Wohnung und dem Start des neuen Bürojobs zu überbrücken, kommt der Vorschlag seines Onkels, Crêpes auf der anstehenden Herbstkirmes zu verkaufen, sehr gelegen.
Klingt nach einer sicheren, ungefährlichen Sache.
Wäre da nicht Wolfs Libido, die Enthaltsamkeit für die achte Todsünde hält, und nie gelernt hat, ‚Nein‘ zu sagen.
Eigentlich spricht nichts gegen einen unverbindlichen One-Night-Stand mit dem gutaussehenden Kunden, der auf Marzipan abfährt.
Eigentlich.
Denn in den braunen Augen des Mannes liegt das, was Wolf am meisten fürchtet: Verliebtheit.

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Kilian Denning geht als Dachdeckermeister absolut schwindelfrei durchs Leben – große Höhen und schmale Simse sind für ihn kein Problem.
Dagegen hat ihn – ausgerechnet am Boden – ein Mann vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht, und ihn davon überzeugt, dass die Liebe kein verlässlicher Ratgeber sein kann.
In ständiger Erinnerung an sein damaliges Leid, verspürt er keine Ambitionen, sein Singledasein jemals zu beenden, und hat eine wirkungsvolle Strategie entwickelt, die ihn vor weiteren Vertrauensbrüchen schützt: Keine Gefühle investieren!
Wieso ihn der junge Mann auf der Kirmes beim Kauf seines Lieblingscrêpes dazu verleitet, unvorsichtig zu werden, kann er sich nur auf eine Art erklären.
Nie zuvor hat er in Augen gesehen, die so viel Verletzlichkeit, so viel Trauer und Angst auf ihn übertragen haben.
Doch kann der erwachende Beschützerinstinkt wirklich der Grund sein, aus dem er sämtliche Vorsichtsmaßnahmen über Bord wirft?

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Freitag, 10. August 2018

Jahreszeiten - Sommer


Klappentext:

Sommer – die heiße Jahreszeit



Urlaub, Stadtfeste, Schwimmbad, Hitze, Schweißausbrüche – der Sommer bringt die Menschen dazu, nach draußen zu gehen oder sich in kühlen Kellern zu verschanzen.



~*~



Custom-Painting mit Würze

Airbrusher und Motorradfan Rainer hat es zu seinem Beruf gemacht, die fahrbaren Untersätze seiner Mitmenschen durch Airbrush zu einzigartigen Liebhaberstücken zu machen.

Kundenwünsche zu erfüllen, gehört dabei dazu, doch so ausgefallene Extrawünsche, wie jene, die der arrogante, nervtötende Marcel äußert, gehen Rainer gewaltig gegen den Strich.



~*~



Doppeltes Blind Date

Severio Dittrichs lässt sich aus lauter Gutmütigkeit immer wieder zu Blind Dates überreden, die seine beste Freundin Melissa für ihn arrangiert.

Auch das Stadtfest in diesem Sommer ist wieder ein Anlass für Melissa, ihn zu verkuppeln.

Ein zufälliges Treffen am späten Nachmittag verbindet Vergangenheit und Gegenwart, wenn auch nur kurz.

Oder ist das Blind Date am Ende vielleicht ausgerechnet Jennes?



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‚Custom Painting mit Würze‘ ist bereits im Jahr 2012 in der Anthologie ‚Kräutercode‘ beim Incubus Verlag erstmalig erschienen.

In diesem E-Book befindet sich eine komplett überarbeitete, längere Neufassung.


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Sonntag, 7. Januar 2018

Das ultimative Interview

Schreiben

1.   Wann und wie habt ihr angefangen zu schreiben?
Nat: Ich habe vor Ewigkeiten damit angefangen, ich würde grob schätzen, mit 12 oder so. Also vor schlappen 30 Jahren.

Gerry: Durch eine private Gruppe auf BookRix bin ich zum Schreiben gekommen. Eigentlich war es als Jux gedacht, doch der hohe Zuspruch der Gruppenmitglieder hat mich dazu gebracht, einfach weiterzumachen und dann auch an die Öffentlichkeit zu gehen.

2.   Wann kommen euch die besten Ideen zu euren Büchern?
Nat: Das ist vollkommen unterschiedlich. Manchmal ist es ein Lied, eine bestimmte Zeile im Songtext, eine Stimmung, manchmal ein Film, der thematisch etwas in mir anspricht, das ich dann anders umsetzen will und muss, manchmal sind es Szenen, die ich im Alltag sehe und weiterspinne, manchmal sind es Träume, die mich in den Wachzustand verfolgen. Kurzum, was immer interessant genug ist, um mich in irgendeiner Form anzusprechen, habe ich entweder eine Geschichte dazu im Kopf oder mindestens eine Szene.

Gerry: Das kann ich gar nicht genau definieren. Es kann durch eine Fernsehsendung, einen Film, eine Alltagssituation oder durch Musik ausgelöst werden. Buff … und schon spukt ein Satz, ein Name oder eine kurze Szene durch meinen Kopf.

3.   Wie schreibt ihr Bücher zusammen?
-  Sitzt ihr nebeneinander und tippt oder jeder für sich?
Nat: Das ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Büchern haben wir während des Schreibens noch nicht zusammengelebt. Diese haben wir geschrieben, indem wir getrennt geschrieben und uns per Dropbox ausgetauscht haben. Entscheidung und Wirklich nur Freundschaft haben wir komplett geschrieben, bevor der andere ‚ran‘ durfte.
Mailchaos war eine Ausnahme, die später erklärt wird.
Diese Vorgehensweise haben wir noch immer, aber nun stehen die Computer nebeneinander und wir diskutieren auch während des Schreibens miteinander, nicht erst, nachdem die Kapitel fertig sind. Besonders viel gesprochen haben wir bei Traumloser Alpträumer, weil wir immer wieder umplanen und entscheiden mussten, wohin die Reise für Denno und Tamino führen sollte.

Gerry: Als wir noch nicht zusammen gewohnt haben, erfolgte das Ganze Kapitelweise über Dropbox. Wir haben uns im Chat oder telefonisch ausgetauscht und dann weiter gemacht.
Heute schreiben wir auch Kapitelweise, aber da wir nebeneinander am Schreibtisch sitzen, jeder an seinem PC/Laptop, können wir sofort darüber diskutieren.
Wir tippen die Texte unabhängig voneinander und besprechen sie anschließend.

4.   Gab es schon mal Streit beim Schreiben, weil ihr unterschiedliche Wege in der Geschichte einschlagen wolltet?
Nat: Oh ja! Bei Mailchaos, weil wir da wirklich strikt und ohne Gespräche einfach ungefiltert geschrieben haben. Es gab keine Absprachen, nur unsere jeweiligen Reaktionen auf den blanken Text des anderen. Deshalb gibt es dort so viele Missverständnisse, die auch im wahren Leben für Zündstoff gesorgt haben.
Bei Traumloser Alpträumer sogar noch viel schlimmer. So schlimm, dass wir zwischenzeitlich kurz vor einer Trennung standen …
Klingt erschreckend, aber einen solchen Wälzer schreibt man nicht in zwei Köpfen, ohne dass es richtig rasseln kann. Es ist enormer Stress, weil man neben dem Voranbringen der Storyline auch versucht, es seinem Partner und Geliebten, und nicht nur dem Autorenkollegen recht zu machen.

Gerry: Böse Frage *lach
In unserem Privatleben streiten wir eigentlich recht wenig, aber wehe, wir schreiben gemeinsam an einem Buch. Dann fliegen mit schöner Regelmäßigkeit die Fetzen. Bei ‚Traumloser Alpträumer‘ ging es sogar so weit, dass ich alles hinschmeißen wollte – einschließlich unserer Beziehung.

5.   Und passiert es euch auch dass die Protas plötzlich ein Eigenleben entwickeln und in ’ne ganz andere Richtung laufen als ihr es euch vorgestellt habt?
Nat: Ja, das passiert, weil ich meinen Protas eine sehr lange Leine gönne. Manchmal geht das so weit, dass sie am Ende ein ganz anderes Pairing bilden, als ursprünglich angedacht. Letztlich stellt sich aber immer heraus, dass die Protas von Anfang an wussten, was und wen sie wollen.

Gerry: Die Mistkerle entwickeln mit schöner Regelmäßigkeit ein Eigenleben. Bei mir ist es völlig sinnlos, vorher einen Plot zu erstellen. Spätestens nach dem ersten Drittel gehen die Jungs eigene Wege.
Die Partnerschaften, die ich mir im Vorfeld zurechtgelegt habe, kommen nur selten zustande, weil die Protas einfach nicht damit einverstanden sind und sich jemand ganz anderen aussuchen.

6.   Wie geht ihr (falls es schon welche gab) mit Schreibblockaden um?
Nat: Genervt, gestresst und sehr leicht reizbar werde ich, wenn ich – aus welchen Gründen auch immer – mal nicht so schreiben kann, wie ich es will.
Manchmal liegen diese Störungen im Schreibfluss daran, dass Stress von außen kommt, manchmal sind es ganz persönliche Zweifel daran, so weit in die Psyche des Protas (oder in meine) dringen zu wollen.

Gerry: Ich stecke momentan in einer fetten Schreibblockade, die sich seit Monaten mit Zähnen und Klauen festhält.
‚White Mountain Trail‘ sollte schon lange fertig sein, aber die letzten drei Kapitel wollen sich einfach nicht schreiben lassen.
Nach den Alpträumern hatte ich gehofft, die Blockade endlich los zu sein … aber nein … mehrfache Versuche, WMT endlich abschließen zu können sind nach hinten losgegangen.
Eine Lösung für dieses Problem habe ich bisher nicht gefunden. Obwohl mir mindestens drei neue Storys im Kopf herumschwirren, bekomme ich keinen einzigen Satz zustande.
Mit bleibt nur, darauf zu hoffen, dass irgendwann der Knoten platzt.

7.   Und das andere Extrem, was macht ihr, wenn zu viele Geschichten auf einmal das Licht der Welt erblicken wollen?
Nat: Na ja, man wünscht sich zehn Paar Hände, tippt sich die Finger wund, hüpft von Prota zu Prota und schreibt, schreibt, schreibt. Dabei werden Essen und Trinken ebenso nebensächlich wie Schlaf.
Ehrlich, wenn ich Gerry nicht hätte, wäre ich schon einige Male verhungert, verdurstet oder einfach wahnsinnig geworden vor Schlafmangel.

Gerry: Sobald eine neue Idee auftaucht, versuche ich, sie so lange wie möglich in den Hintergrund zu drängen. Wenn das auf Dauer nicht funktioniert, schreibe ich die Geschichte stichpunktartig auf. Zum Einen, um die Storyline nicht zu verlieren, zum Anderen, um die Protas zu beruhigen, damit sie mich nicht ständig bedrängen.

8.   Wie geht es euch dabei, wenn ihr ein neues Buchbaby in die Leserwelt entlasst?
Nat: Manchmal bin ich schon frustriert, weil ich nicht diese wahnsinnige Aufregung in mir verspüre. Irgendwie ist dann eine unerklärliche Resignation in mir, so nach dem Motto: Du kannst jetzt sowieso nichts mehr ändern, also bleib ruhig.
Dann aber gibt es wieder Bücher, die mir persönlich wahnsinnig wichtig sind, teilweise wegen ihrer Message, teilweise wegen eines bestimmten Protagonisten, bei dem ich voll aufgeregt bin, wie er wohl bei der Leserschaft ankommen wird.

Gerry: Wie es mir dabei geht? Magenschmerzen, Selbstzweifel, Angst, dass das Buch völlig ignoriert wird, weil schon der Klappentext niemanden dazu verleitet, es lesen zu wollen.

9.   Würdet ihr eine sogenannte "Einhand-Literatur" aus Spaß an der Freude selbst verfassen und vertonen?
Nat: *pruuuust* Also schreiben – längst geschehen, mehrfach. Wobei Gerry darin eindeutig besser ist. Ich mag seine direkte, freche Art, Sexuelles auszudrücken. Vertonen?
Na, hört mal! Das machen wir im Schlafzimmer oder wo auch immer, aber ganz sicher nicht auf Band für andere 😉

Gerry: Hm, Einhand-Literatur habe ich mit ‚Cum Book‘ ja schon abgeliefert, aber vertonen? Never ever!
Ich glaube kaum, dass die erotischen Szenen, die ja mit eindeutigen Geräuschen unterlegt werden müssten, ohne nicht enden wollende Lachflashs meinerseits aufgenommen werden könnten.

10. Mich würde allgemein interessieren, wie ihr mit Homophobie umgeht. Warum schreibt ihr darüber auf diese Weise? Untertreibt ihr?
Nat: Oha, ein schwieriges Thema.
Ich stehe als Autor auf dem Standpunkt, dass meine Leserschaft sich wegträumen und irgendwie glücklich sein will beim Lesen. Lesen ist in diesem Fall Unterhaltung. Ich habe arge Zweifel, dass die Mehrheit der LeserInnen unbedingt den ungeschönten Horror lesen will, den manche Homosexuelle in unserer Gesellschaft erleben.
Ich bezeichne meine Geschichten seit längerem nicht mehr als ‚Gay-Romance‘, weil ich nicht oberflächlich und seicht schreibe, auch wenn manche LeserInnen mir das unterstellen.
Jede noch so harmlos oder zuckersüß wirkende meiner Geschichten hat eine Message, die weitaus tiefer reicht, als etwa 60% der LeserInnen überhaupt bewusst bemerken.
Das ist KEIN Vorwurf an die LeserInnen! Mir reicht im Grunde, wenn sich alle gut unterhalten fühlen.
Denn eine Message, die als erhobener Zeigefinger daherkommt, ist nicht mein Stil. Es gibt ihn immer, den bitterbösen, grausamen oder schrecklichen Kern in der Geschichte. Aber ich bin davon überzeugt, dass er nicht als solcher wahrgenommen wird. Er ist da, die LeserInnen nehmen ihn an, größtenteils ohne es zu merken, was für die Unaufdringlichkeit meiner Moral spricht, oder?
Natürlich untertreibe ich! Wollt Ihr denn lesen, wie viel Angst man hat, auch nur Händchen zu halten? In ein schwules Etablissement zu gehen? Wie beschissen es ist, eine Wohnung nicht zu bekommen, nur weil man statt des ‚perfekten Weibchens‘ einen echten Kerl neben sich stehen hat?
Allerdings tendiere ich seit 2015 dazu, nicht mehr alles zu beschönigen. Ich zeige durchaus, dass es Probleme geben kann, aber ich mache es unter einer Art von Laborbedingungen.
Nicht jede Geschichte ist biografisch oder authentisch. Auch wenn die Charaktere es immer sind.

Gerry: Tja, wie soll man mit Homophobie umgehen?
Wenn man zeit seines Lebens damit konfrontiert wird, entwickelt man verschiedene Methoden, es nicht zu nahe an sich herankommen zu lassen.
Geringschätzige oder angewiderte Blicke versuche ich zu ignorieren.
Bei verbalen Angriffen sieht es schon anders aus. Als ich noch jünger war, bin ich handgreiflichen Auseinandersetzungen nur dann aus dem Weg gegangen, wenn die Zahl der Gegner zu hoch war. Es hat auch Situationen gegeben, in denen ich es bewusst auf eine Konfrontation angelegt habe.
Mit dem Alter kam die Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt, meine Gesundheit und eventuell mein Leben zu riskieren, nur um unbelehrbaren Idioten die Genugtuung zu geben, es einer ‚Schwuchtel‘ so richtig gezeigt zu haben.

Natürlich untertreibe ich in meinen Büchern, da ich der Meinung bin, dass in einer Gay-Romance echte, reale Homophobie nichts zu suchen hat. Meine Bücher sollen unterhalten, und zwar auf angenehme Weise.

11. Wieso gibt es im Gaybereich so wenige Protas, die älter als 40 sind?
Nat: Ich denke, das ist ähnlich wie bei Frage 10. Man schreibt, was die Leute auch lesen wollen.
Viele LeserInnen wollen anhimmeln, sich wegträumen oder einfach mit Herzchenaugen in eine andere Welt abtauchen. Diese andere Welt beinhaltet nur selten das, was wir alle im wahren Leben haben: Falten, Speckrollen, Alterserscheinungen, altersbedingte Depressionen, Impotenz oder mangelnde Libido und frustrierende Einsamkeit.
Es ist statistisch gesehen wahnsinnig selten, dass schwule Männer zusammen alt werden.
So oft und gern über die heterosexuelle Midlife-Crisis gelacht wird, sie ist ein ernstes Problem bei ALLEN Männern. Da geht es nicht um Goldkettchen oder weiter aufgeknöpfte Hemden. Es geht um Selbstwertgefühl, den eigenen Marktwert und erstzunehmende Sorgen und Nöte.
Solange aber über dieses Thema ähnlich viel geschmunzelt wird wie über Männerschnupfen und andere ‚männliche Erscheinungen‘, lohnt es sich schlichtweg nur selten und nur für ein Nischenpublikum, darüber zu schreiben.
Davon abgesehen tun wir das 😉
Mein Trip alias Elias Mellenbruch ist 43, Baujahr 1974. Seine besten Freunde sind sogar minimal älter.
Es fällt mir schwer, ohne großen Frust über Ältere zu schreiben. Es deprimiert mich, auch nur darüber nachzudenken, wie einsam und schrecklich ein schwules Leben werden kann, wenn z.B. der Partner wegstirbt oder man einfach keinen passenden Partner finden kann.

Gerry: Gute Frage! Vielleicht weil die LeserInnen uns Autoren vermitteln, dass sie sich lieber mit jungen, knackigen Protas identifizieren wollen?
In ‚Wenn die Blätter fallen‘ habe ich den 62jährigen Heiko erschaffen. Wenn ich mir die Rezis anschaue, ist er recht gut angekommen, aber ganz ehrlich, noch fällt es mir schwer, mich in einen so viel älteren Prota zu versetzen.
Mir fehlt einfach die Lebenserfahrung, um solche Figuren häufiger wirklich glaubhaft zu erschaffen.

Bücher

12. Nathan wie bist du bloß auf die Idee für “Graues Meer und blaue Sonnen“ gekommen? So viel hab ich echt noch nie bei einem Buch geheult  😭
Nat: Ich bin erstaunt, dass nicht längst allgemein bekannt ist, wie ‚GMubS‘ entstanden ist …
Ich sage es mal so: Mein Leben war ein schwules Märchen, dann ging es kaputt. Ich habe deutlich länger gebraucht, um zu trauern, und ich konnte es nur, weil ein gewisser Mann in mein Leben gestolpert ist, der heute nicht weniger als mein Ein und Alles ist.
Wieso ich es geschrieben habe? Ich habe es erlebt.

13. Und bis wann ist mit der Veröffentlichung von „Eisbrecher“ zu rechnen und gibt es irgendeinen Zeitplan für die Fortsetzung von „Duft der Unschuld“, wird es eine Fortsetzung der Jahreszeitenreihe geben?
Nat: Zu solchen Fragen kann ich schlichtweg keine klaren oder verlässlichen Antworten geben.
Die Jahreszeiten Sommer und Frühling wird es irgendwann geben, das steht fest. Allerdings benötigen wir dafür noch ‚kurze‘ Geschichten, die nicht anderweitig verwurstet werden. (Meine Gefühlsbaustelle war die Sommergeschichte, die dann zu umfangreich wurde, als dass wir sie in die Jahreszeiten hätten setzen können.)

14. Habt ihr einen Favoriten der Veröffentlichungen des Anderen?
Nat: Momentan muss ich sagen, liebe ich verschiedene von Gerrys Geschichten sehr. Besonders ‚Snowboard vs. Racing-Ski‘, aber grundsätzlich mag ich auch die pointierten, knackigen Kurzgeschichten, die er im ‚Traumschaum‘ gesammelt hat.

Gerry: Bis jetzt hätte ich immer behauptet, es wäre ‚Strategie in Scherben‘, allerdings hat sich das seit ‚Eiszeit‘ geändert.

15. Mich würde interessieren, was so schreibtechnisch für 2018 geplant ist
- gibt es da schon eine Art Liste, oder bleibt das spontan, bis der nächste Protagonist eben kommt?
Nat: Nein, eine solche Liste existiert zwar vielleicht in groben Zügen hier bei uns im Büro, aber öffentlich machen werden wir eine solche nicht. Es würde zusätzlichen Druck bedeuten, egal wie locker man alles formuliert.

Gerry: Es stehen so einige Geschichten in der Timeline und warten darauf, geschrieben zu werden. Ich kann aber nicht sagen, in welcher Reihenfolge das ablaufen wird. Protas können sehr eigenwillig sein, daher kann es ohne weiteres passieren, dass sich noch welche vorstellen und in den Vordergrund drängen.

Meinungen

16. Was haltet ihr von weiblichen Schriftstellern die sich dem Gaygenre widmen?
-  Gefühlsmäßig kann man/frau sich ja eventuell relativ gut ins andere Geschlecht einfühlen. Aber bei Sexszenen??
Nat: Auch das habe ich schon oft kundgetan.
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man kein Sternekoch sein muss, um gutes Essen zu schätzen zu wissen.
Allerdings darf man bei dieser Aussage nicht vergessen, dass manche einen selektiveren Geschmack haben als andere.
Sonst wären wir ja alle Restaurantkritiker für Michelin, nicht wahr?
Sind wir aber nicht.
Schreiben darf grundsätzlich jeder, und zwar was immer er oder sie will.
Die einzige Bedingung, die ich an jedweden Text stelle, ist die Nachvollziehbarkeit im Sinne von Logik und Fakten. (Bei Fantasy natürlich die Logik innerhalb der Geschichte.)
Wer nicht anständig recherchiert, sollte meiner Meinung nach NICHT schreiben.
Es zeugt meiner Meinung nach von absoluter Missachtung der Leserschaft, wenn jemand es nicht für nötig hält, sich an die Fakten und Begrifflichkeiten zu halten.
Eines der schlimmsten Beispiele der Vergangenheit: Ein PTSD-Patient (traumatisierter Mensch) geht zu einem Traumatologen.
(Für diejenigen, die es nicht wissen, ein Traumatologe hat mit Unfallverletzungen wie Brüchen und Blutergüssen zu tun. Traumatologie ist ein Teilgebiet der Unfallchirurgie.)
Wenn ein Autor/eine Autorin solche Dinge nicht nachschaut und sich (offenbar) arrogant über Nachschlagewerke und simples Allgemeinwissen hinwegsetzt, zeigt er oder sie nur, dass ihm oder ihr scheißegal ist, was die LeserInnen aus seinen/ihren Büchern mitnimmt.
In meinen Augen eine absolute Respektlosigkeit den LeserInnen gegenüber.
Was mich ebenso nervt sind anatomisch unmögliche Sexualpraktiken, die oftmals beschrieben werden. Manches davon tut mir beim Lesen schon weh … 😉

Gerry: Was soll ich dazu sagen? Meine persönliche Meinung ist, dass es völlig egal ist, wer in welchem Genre auch immer ein Buch schreibt.
Es dürfen doch auch nicht nur Männer über Serienmörder schreiben, weil lt. Statistik die meisten Serienmörder männlich sind.
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass es jedem selbst überlassen werden muss, in welcher Sparte er seine Geschichten schreiben will.
Was für mich allerdings absolute Grundvoraussetzung ist – bitte akribisch recherchieren, wenn man über etwas schreibt, das man nicht aus persönlicher Erfahrung beurteilen kann.
Soll heißen – ich erwarte von weiblichen Autorinnen, dass sie sich genaue Anatomiekenntnisse verschaffen, um zu wissen, was beim Sex zwischen Männern machbar ist und was nicht.
Leider ist das nicht immer der Fall. Ich habe schon Sexszenen gelesen, bei denen die von der Autorin beabsichtigte Erotik durch meine Lachflashs völlig zunichte gemacht wurde.
Ebenso stört mich bei einigen Geschichten die Verwendung sämtlicher Klischees, die über schwule Männer im Umlauf sind.
Klar gibt es Twinks, Bären, Schränke, genau wie tuntiges Verhalten, Heulsusen oder übertrieben auffällige Kleidung. Aber müssen diese Konstellationen bis zum Erbrechen in jeder Geschichte ausgereizt werden?
Nach meinen Erfahrungen sind schwule Männer in der Realität selten auffälliger als Heteromänner, oder könnt ihr über die Straße gehen und mit absoluter Sicherheit auf jeden schwulen Mann zeigen?
Sehr viele weibliche Autorinnen sehen es als Lebensaufgabe an, eifrig die Regenbogenflagge zu schwingen, die Belange der LGBTI zu unterstützen und die Akzeptanz der schwulen Gemeinschaften in den Köpfen andersdenkender zu manifestieren.
Die niedergeschriebenen Geschichten erfüllen diesen Anspruch aber in vielen Fällen nicht.
Ihre Protas sind weinerliche, tuntige Twinks, die sich einen reichen, gutaussehenden Top suchen, der sie wild gegen alle Unannehmlichkeiten verteidigt. Der Top ist natürlich jemand, der sich niemals von seinem Bottom f*cken lassen würde.
Dazu kommen oft noch unsägliche Ausdrücke, die mir endgültig das Lesevergnügen verhageln.
Ich sage nur … Popo, Po, Unterhose, Hosenstall usw.
Der purpurbehelmte Lustbringer verfolgt mich noch heute im Schlaf.

17. Wie erklärt ihr euch, dass die meisten eurer Leser weiblich sind?
- Lesen Männer generell weniger als Frauen?
- Wie sieht es mit schwulen Lesern aus?
- Wie geht ihr damit um?
Nat: Ich denke, dass es sich hier um einen gewissen Irrglauben handelt.
Die sichtbaren Leser mögen tatsächlich in der Mehrheit weiblich sein, doch zeigt sich durch zahlreiche – auch nicht öffentliche – Reaktionen von Männern, dass dieses Bild nicht ganz der Realität entspricht.
Es gibt sie also durchaus, die schwulen Leser.
Ich persönlich kenne einige echte Bücherwürmer unter den Männern, die ganz sicher deutlich mehr gelesen haben, als so manche Frau.
Die vierte Frage dazu verstehe ich nicht ganz. Wie soll ich damit umgehen? Ich schreibe weiterhin, was immer ich schreiben will, halte mich an das oben bereits beschriebene Prinzip und hoffe darauf, dass meine Geschichten gelesen werden.

Gerry: Hm, ich denke, es gibt sehr viele männliche Leser, nur treten sie weniger in den Vordergrund. Ich würde auch nicht behaupten wollen, dass Männer generell nicht viel lesen, im Gegenteil, ich kenne sehr viele Männer, die Bücher ebenso exzessiv verschlingen, wie Frauen. Der Unterschied liegt höchstens in den Genres.
Es gibt sehr viele schwule Leser im Gay-Bereich. Allerdings wählt die Mehrzahl den Weg der Anonymität, wenn sie beim großen A Rezis schreiben. Von daher kann ich ganz gut damit umgehen.

18. Warum lesen ganz viele schwule Männer keine schwulen Bücher? Meine Theorie wäre ja, dass diese dann genau so prüde sind wie Heteros, die auf keinen Fall ’nen erotischen Roman lesen wollen. Also kennt ihr prüde schwule Männer?
Nat: Die Frage ist ja fast die gleiche wie Nummer 17, aber wegen der Formulierung beantworte ich sie getrennt.
Woran machst Du fest, dass schwule Männer keine Gay-Bücher lesen? Mir persönlich ist das ein Rätsel, zumindest wenn ich bedenke, wie viele Leser die AutorInnen unseres Genres aus dem ‚schwulen Lager‘ haben.
Diese Theorie kann ich ganz klar nicht nachvollziehen.
In meinen Geschichten nimmt die Erotik ganz sicher nicht den Löwenanteil ein. Einfach, weil es mich selbst beim Lesen nervt, wenn ich von einem Gerammel zum nächsten blättere, ohne jeden Sinn und Verstand, und dann im Epilog das Megahappyend auf wenigen Seiten abgekaspert wird.
Und wieso überhaupt prüde?
In jedem guten Thriller ist eine Lovestory versteckt, oftmals mit hartem, wildem Sex. Ist das Buch deshalb plötzlich Erotik? Wohl kaum!
Und dasselbe gilt für Hetero-Liebesromane. Da wird wild rumgemacht, oftmals sehr explizit beschrieben, und auch diese Bücher sind deshalb nicht unbedingt Erotik.
Und nein, ich kenne keine prüden Homosexuellen. xD

Gerry: Ich bezweifle, dass so viele schwule Männer keine schwulen Bücher lesen. Sie tun es halt weniger nach außen kund, als die weibliche Leserschaft.
Vielleicht sind sie nur im Freundeskreis geoutet und können es sich aus beruflichen Gründen nicht leisten, als schwul entlarvt zu werden.
Ebenso bezweifle ich, dass Heteromänner prüde sind, nur weil sie keine Erotikbücher lesen.
Der Lesegeschmack ist nun mal sehr unterschiedlich. Für mich ist es Schubladendenken, wenn man Rückschlüsse auf die Einstellung eines Menschen zieht, nur weil er keine reinen Erotikbücher liest.
Zum Beispiel habe ich als schwuler Mann schon haufenweise Heteroromane gelesen, aus dem einfachen Grund, weil mich die Story interessierte.
Was sagt das jetzt über mich aus?

19. Was sind für euch typisch schwule Klischees? Welche würdet ihr zu 100% unterschreiben?
- Welche haltet ihr für mehr für reines Gesellschaftsdenken? (Vielleicht schwer zu sagen, man kann ja nicht alles über einen Kamm scheren.)
-  Gibt es welche, die auf euch zutreffen?
Nat: Hm, schwule Klischees … Schwierige Frage. Ich kenne Weicheier, superharte Kerle, Draufgänger, Sexmaschinen, Jasager, Macher, Heulsusen, Paschas, Machos, Arschl*cher, Mimosen und alles andere, was man noch so finden kann. Übrigens sowohl schwul als auch hetero, sowohl männlich als auch weiblich.
Klischees sind was für Menschen, die in Schubladen denken müssen, weil sie nicht mit Menschen oder Begebenheiten außerhalb der allgemein anerkannten ‚Norm‘ umgehen können.
Ein schlimmes Klischee ist für mich die angebliche Pädophilie, die Schwule zeigen. Ich kenne nur einen Schwulen, der auf echt junge Kerle steht (so ab 16) und zu dem habe ich keinen Kontakt mehr (aus besagtem Grund).
Welches Klischee auf uns zutrifft? Wir haben Männersex! *schockschwerenot*

Gerry: Ein paar Klischees habe ich unter einer anderen Frage schon genannt, hier alle aufzuführen, würde den Rahmen sprengen.
Was mich allerdings am meisten stört, ist eine völlig unangebrachte Reaktion bei vielen Heteromännern. Die netten Herren fühlen sich immer bemüßigt, laut zu verkünden, dass sie mit dem Arsch an der Wand stehen, sobald sich ein Schwuler in ihrem Dunstkreis bewegt.
So ein Schwachsinn!
Als hätten Schwule nur den einen Lebenszweck, jedem Mann, egal ob schwul oder hetero, an den Arsch zu gehen.
Der Witz an der Sache ist, dass solche Aussagen meist von Männern kommen, an die weder Mann noch Frau einen zweiten Blick verschwenden würden.
Ob auf mich ein Klischee zutrifft? Keine Ahnung. Jedenfalls hat mich bisher noch niemand auf ein solches aufmerksam gemacht.

20. Ich habe den Eindruck, dass Homophobie bei Männern deutlich weiter verbreitet ist, als bei Frauen, könnt ihr das bestätigen, falls ja, wie erklärt ihr euch das?
Nat: Ja, der Eindruck ist wohl eine Tatsache. Ich schätze, viele Männer fürchten um ihre Männlichkeit, wenn sie sich toppen lassen (deutlicher kann ich das nicht schreiben, muss ja FSK12 bleiben).
Es geht dabei wohl vor allem um das Bild nach außen, denn es gibt zigtausende bisexuelle, verheiratete Männer, die sich in Schwulenkinos mit anderen treffen, um das auszuleben, was sie öffentlich so gern verteufeln und runtermachen.

Gerry: Dieser Eindruck ist für mich ebenfalls ein Klischee. Männer drücken ihre Homophobie teilweise sehr schlagkräftig aus und geraten dadurch verstärkt in die Medien. Frauen gehen da wesentlich subtiler vor, da die meisten bei einer körperlichen Auseinandersetzung den kürzeren ziehen würden.
Ich für meinen Teil gehe davon aus, dass die Fronten bei den Geschlechtern sehr ausgewogen sind.
Innerhalb der Gay-Gemeinschaft bei FB sind die Frauen zahlenmäßig sehr stark vertreten. Da es sich dabei um Fans des Genres handelt, kommen hier äußerst selten negative Stimmen zum Ausdruck.
Schaut man aber über diesen Tellerrand hinaus und liest die Kommentare unter Posts, die sich mit dem Thema ‚schwul‘ beschäftigen, wird man unzählige angewiderte Meinungsäußerungen von Frauen finden.
Ich halte es für einen großen Fehler, wenn man vom Verhalten und Benehmen der Frauen der Gay-Gemeinschaft auf die restliche Bevölkerung schließt.

21. Wenn eines eurer Gemeinschaftsbücher verfilmt werden würde, welches würdet ihr wählen und wer soll die wichtigste(n) Nebenfigur(en) spielen?
Nat: Hm, gute Frage, wirklich. Vielleicht fände ich Entscheidung cool, aber da gibt es irgendwie keine echten Nebenfiguren.
Also entscheide ich mich für den Traumlosen Alpträumer, weil es da jede Menge coole Nebenrollen zu besetzen gäbe.
Für die senilen Bettflüchtlinge fände ich Patrick Stewart und Ian McKellen perfekt. <3
Ansonsten fällt mir spontan keiner ein, den ich zuordnen könnte. Außer natürlich Tamino, Denno und Luzifer, aber danach wurde ja nicht gefragt. ^^

Gerry: Mein Favorit wäre wohl ‚Entscheidung‘.
Allerdings muss ich sagen, es wäre völlig egal, welches Buch verfilmt werden soll, die Darsteller müssten meiner/unserer Personenbeschreibung schon sehr nahe kommen. Dabei wäre mir schnurz, ob die Rolle von einem Star oder einem Nobody übernommen würde.

22. Wie definiert ihr bzw. was beinhaltet für euch eine konstruktive Kritik?
Nat: Konstruktive Kritik weist auf ‚Missstände‘ und Fehler hin, und liefert dabei auch Lösungsansätze.
Was ich dagegen nicht mag, ist, wenn mir ein Leser nach dem Lesen des fertigen und veröffentlichten Buches erklärt, was ‚ihm oder ihr fehlt‘. Meine Geschichte ist fertig. Abgesehen von Logikfehlern oder stilistischen und grammatikalischen Dingen würde ich mich nicht zu Änderungen bewegen lassen.
Auch nicht dazu, eine Geschichte künstlich zu verlängern, nur weil das darin verwurstete Thema ‚zu viel für die Länge des Textes‘ ist.
Das mag dann durchaus dem persönlichen Gefühl des Lesers/der Leserin entsprechen, aber keine Meinung ist dahingehend allgemeingültig.

Gerry: Unter konstruktiver Kritik verstehe ich, dass mir der Kritiker genau benennt, was ihm an meiner Geschichte nicht gefallen hat.
Ich möchte wissen, ob die Story ggf. zu langweilig war, ob sie zu viele unwichtige Infos oder Beschreibungen enthalten hat. Vielleicht waren die Charaktere nicht sorgfältig ausgearbeitet, oder sie waren gefühlsmäßig zu oberflächlich.
Logikfehler zu benennen, wäre sehr wichtig, ebenso der Hinweis auf Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Privatleben

Beruf

23. Ist Schreiben euer Hauptberuf? Oder was macht ihr sonst noch so?
Nat: Ja, ist es. Ich mache nichts nebenbei.

Gerry: Inzwischen ist Schreiben zu meinem Beruf geworden.

24. Was habt ihr für erlernte Berufe?
Nat: Ich bin staatlich geprüfter Biologisch-technischer Assistent.

Gerry: Kfz-Mechatroniker

25. Habt ihr eine Ausbildung / Studium? Wenn nicht was würdet ihr wählen oder genauso wieder machen?
Nat: Jepp. Ich war an den Bernd-Blindow-Schulen in Bückeburg und habe mit Staatsexamen abgeschlossen.
Ob ich das wieder machen würde? Nun ja, aus heutiger Sicht würde ich das Schreiben schon deutlich stärker betreiben, aber die Ausbildung hat mir eine Menge Fachwissen eingebracht, das ich heute für meine Geschichten sehr gut nutzen kann.
Also würde ich zwar die Ausbildung machen, aber das Schreiben wirklich schon zur gleichen Zeit richtig vorantreiben.

Gerry: Ausbildung … siehe oben.
Wenn ich damals die Möglichkeit gehabt hätte, wäre ich sicher weiter zur Schule gegangen und hätte ein Studium angestrebt.

26. Sind Nat und Gerry die Kosenamen Eurer Klarnamen oder nur der Pseudonyme?
Nat: Nathan (oder Nat) ist die Kurzform meines dritten Vornamens. :) Der Nachname ist ganz anders als der Klarname.

Gerry: Es dürfte hinreichend bekannt sein, dass Gerry mein richtiger Vorname ist. Mein Nachname ist allerdings ein Pseudonym.

Alltag/Leben

27. Wie alt seid ihr?
Nat: Baujahr 1975, also momentan 42 Jahre alt.

Gerry: Ich bin Baujahr 1986.

28. Wie sieht so euer Alltag aus?
Nat: Woah! Das allein wäre schon ein ganzer Roman ^^
Mal sehen, also meistens ist unser Tagesablauf stark verschoben zu dem, was man wohl einen 9-5-Job nennt. Wir gehen selten vor 2 Uhr nachts ins Bett (eher später) und stehen entsprechend spät auf. Meistens so gegen 9 oder 10 Uhr vormittags. Je nachdem, wie dringend Maja raus muss, weckt sie mich auch eher und ich bleibe dann wach, auch wenn das bedeutet, dass ich keine vier Stunden Schlaf bekommen habe.
Diese Zeit nutze ich, um zu schreiben. Die Nachbarschaft ist dann noch ruhig und friedlich, Maja legt sich nach ihrem Frühstück wieder hin, und ich kann ohne Ablenkung arbeiten.
Wenn wir beide wach sind (Ich lasse Gerry natürlich bis zum Wecker schlafen!), trinken wir in aller Seelenruhe einen Kaffee oder zwei, surfen ein wenig im Netz herum und zocken verschiedene dumme 3-gewinnt-Spiele, dann rafft sich einer von uns auf, das Frühstück vorzubereiten.
Wir essen es je nach Stimmungslage zwischen 12 Uhr mittags und 16 Uhr. (Letzteres hauptsächlich, wenn wir nach dem Aufstehen irgendwelche Termine haben oder einkaufen müssen.)
Danach wird geschrieben, gealbert, gelebt, geliebt. Die zweite Mahlzeit des Tages steht dann irgendwann am Abend an. Wir essen dann warm und meistens kochen wir dann gemeinsam. Das macht Spaß und die garzeitbedingten Pausen verbringen wir, wie es uns gerade einfällt.
Zum Essen schauen wir gern einen Film, anschließend wird weiter gearbeitet (Recherchen, Schreiben, Korrigieren, Plotten usw.).
Damit verbringen wir die Zeit bis zum Schlafen gehen.

Gerry: Nicht viel anders, als bei allen anderen, denke ich.
Kochen, putzen, waschen, einkaufen. Dazwischen oder danach wird gearbeitet. Nicht zu vergessen … Majas Gassirunden.
Familie und Freunde besuchen, 2 x wöchentlich steht Sport auf dem Programm.
Je nach Jahreszeit und Wetter erlauben wir uns auch einen Ausflug mit meiner Schönen. Leider können wir sowas nicht spontan entscheiden, da unser Mausebär nicht allein bleiben kann und wir immer jemanden brauchen, der auf sie aufpasst.

29. Wie sehen für gewöhnlich eure WEs aus?
Nat: Genauso wie jeder andere Tag, nur dass wir nicht einkaufen müssen.

Gerry: Richtige Wochenenden gibt es bei uns selten, da Schreiben ja auch mit einer Menge Recherchearbeit verbunden ist. Von daher erlauben wir uns am WE gelegentlich mal einen Konzert- oder Kinobesuch.

30. Womit kann man euch jagen?
Nat: Mit Leberwurst! … und mit Achtbeinen.

Gerry: Essenstechnisch kann man mich mit grünen Bohnen jagen.
Auf Schlagermucke reagiere ich allergisch und bei deutschen Filmen flüchte ich.

31. Was bringt euch auf die Palme?
Nat: Hm, was nicht?! Grob gesagt sind es Ungerechtigkeiten, dusselige Mitmenschen, idiotische Autofahrer und noch besser: merkbefreite Hundebesitzer.

Gerry: Ungerechtigkeit, Neid und verlogene Freunde kann ich nicht ertragen.

32. Habt ihr einen Ausgleich zum Schreiben? Oder braucht ihr den nicht? Euer Hund?
Nat: Ja, uns selbst. Unsere Beziehung und Liebe. Die muss im Übrigen als Ausgleich für buchstäblich alles herhalten, das in unserem Leben Stress verursacht.

Gerry: Maja ist ganz sicher ein Ausgleich. Wenn sie der Meinung ist, wir sind zu sehr in unsere Arbeit vertieft, bringt sie das sehr energisch zum Ausdruck und fordert Beachtung ein.
Sport ist der Ausgleich für die teilweise mangelnde Bewegung.
Falls mein Kopf irgendwann streikt und keinen vernünftigen Satz mehr produziert, zocke ich ein paar Runden am iPad, dann bin ich wieder fit.

33. Wie teilt ihr euch die Schreibzeit ein (feste Zeiten oder wie es kommt)?
Nat: Es gibt dafür keine festen Termine. Wenn ein Protagonist mir auf die Zehen tritt, schreibe ich auch rund um die Uhr oder während einer Autofahrt. (Ich lasse mich ausgesprochen gern von Gerry kutschieren.)

Gerry: Feste Zeiten gibt es nicht.
Wird einer von uns von einem Schreibflash heimgesucht, übernimmt der andere automatisch sämtliche anderen Arbeiten, die erledigt werden müssen.
Können wir uns mal beide nicht von unseren Texten lösen, bleibt die Hausarbeit einfach liegen und wir kümmern uns zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam darum.
Einzig Maja hat feste Zeiten, zu denen sie vor die Tür muss und daran halten wir uns selbstverständlich.

34. Wie macht ihr das mit Urlaub, wenn ihr 365 Tage im Jahr arbeitet?
Nat: Ganz einfach: Nie!
Seit Beginn unserer Beziehung und auch schon davor haben wir beide seit Ewigkeiten keinen Urlaub gemacht.
Wenn wir nervlich oder stress-bedingt mal eine Pause brauchen, nehmen wir sie uns auf andere Art.

Gerry: Urlaub ist momentan einfach nicht drin.
Maja ist kein Hund, mit dem man in ein Hotel gehen könnte. Selbst ein Ferienhaus wäre schwierig, da es ja meist noch andere Hunde in der Umgebung gibt.
Dazu kommt, dass wir unsere Familie nicht allein lassen wollen. Gesundheitlich liegt da zu viel im Argen und wir wollen kein Risiko eingehen.

35. Seit wann wisst ihr jeder für sich, dass ihr Männer liebt?
Nat: Ich habe das sehr früh gewusst, ein genaues Alter könnte ich jetzt aber nur schätzen, weil es kein Aha-Erlebnis war, sondern ein schleichendes Wissen.

Gerry: Ich war ungefähr 14 Jahre, als ich es vor mir selbst nicht mehr verleugnen konnte.

36. Wo macht ihr gerne Urlaub?
Nat: Wenn wir denn dann irgendwann mal dazu kommen, werden wir ganz sicher für eine gewisse Zeit ans Meer abhauen. Wir lieben es beide und vielleicht finden wir ja im frisch begonnenen Jahr eine Möglichkeit, mit Maja zusammen in ein Ferienhaus an der See abzuhauen.

Gerry: Ich für meinen Teil liebe das Wasser und die Sonne.
Auf einen Urlaub am Meer wird Nat sich jederzeit einlassen, aber den Süden kann ich ihm bestimmt nicht schmackhaft machen, da er kein so großer Sonnenanbeter ist.
Also werden wir sicher irgendwo an der Nord- oder Ostsee landen. ^^

37. Gerry meinte letztens, dass wohl drüber zu diskutieren wäre, dass Bocholt bester Wohnort wäre. Wo würdest Du denn gerne leben?
Nat: Ha! Endlich muss ich mal nichts antworten ^^

Gerry: Schwere Frage.
Ich stamme aus einer Kleinstadt und bin anschließend nach Düsseldorf gezogen. Von daher bin ich sicher etwas verwöhnt.
Öffentliche Verkehrsmittel, Autobahnanbindungen, allgemeine Straßenverhältnisse, Ladenöffnungszeiten usw. sind dort optimal. Auch was die Auswahl der Restaurants und Lokale betrifft, wird man da hervorragend bedient.
Bocholt ist dagegen wieder Kleinstadt und für meine Begriffe liegt hier vieles im Argen.
Wenn ich nur bedenke, dass die jährliche Kirmes am Montag bis 23:00 Uhr geöffnet hat, aber der letzte Bus um 21:00 Uhr fährt, frage ich mich, was sich die Verantwortlichen dabei denken.
Es würde zu weit führen, wenn ich alles auflisten würde, was mich an dieser Stadt nervt.
Ich habe aber keine bestimmte Stadt, in der ich leben möchte. Für mich ist nur wichtig, bei Nat zu sein. Die Zeit wird zeigen, wo wir irgendwann mal landen.
Meinen Schatz zieht es ja nach Kanada, wenn wir irgendwann mal unabhängig sind. Damit stehe ich jedoch noch auf Kriegsfuß, weil es dort arschkalt ist und ich mir nicht vorstellen kann, mich jemals an die dortigen Temperaturen zu gewöhnen.

38. Was ist eure Lieblingsfarbe?
Nat: Grün und Schwarz.

Gerry: Schwarz, Tiefschwarz, blasses Schwarz, Blauschwarz. ^^

39. Was habt ihr für Hobbys?
Nat: Zeichnen, Maja, Acrylmalerei und auch mal das Basteln von Lesezeichen.

Gerry: Mein größtes Hobby ist Nat *lach
Warum, werde ich nicht verraten. *gg
Danach folgen Maja und mein Motorrad.

40. Was habt ihr für Träume?
Nat: Viele, die meisten sind recht ‚klein‘. Momentan wünsche ich mir am dringendsten ein Haus mit eingezäuntem Garten für Maja.

Gerry: Mein größter Traum wäre ein renovierter Resthof, weit ab von allen Nachbarn. Dort würde ich mir ein Rudel Hunde und ein paar Pferde halten.

41. Habt ihr eine Macke, welche ihr gerne loswerden möchtet?
Nat: Hm, habe ich? Oh ja! Ich war früher ein wahnsinnig souveräner Mensch, zum Teil schon arrogant und sehr selbstbewusst. Fehler sind einfach nicht passiert. Aber seitdem ich Gerry kenne, entwickle ich mich zu einem tollpatschigen Schussel … Das wäre ich gern wieder los.

Gerry: Ich bin ein Ordnungsfanatiker und gehe Nat damit oft auf den Geist.

42. Welche Ziele stehen in 2018 an?
Nat: Ziele … Der Umzug in ein Haus, ein paar Bücher rauszubringen, bestimmte Bücher zu beenden, Gerry glücklich zu machen und noch möglichst viel Zeit mit meinem Pa zu verbringen. Meine Ma ist nicht so krank, mit ihr habe ich sicherlich noch deutlich mehr Zeit.

Gerry: Endlich meine Schreibblockade zu überwinden, damit ich WMT beenden und herausbringen kann.
Es wäre schön, wenn wir endlich ein Haus mit eingezäuntem Garten finden würden, damit Maja die Zeit, die ihr noch bleibt, in relativer Freiheit verbringen kann.
Mein größtes Ziel, das sich hoffentlich bald verwirklichen lässt, ist unsere Hochzeit.

43. Wenn ihr im Lotto gewinnen würdet – was würdet ihr dann tun?
-  Etwas ändern?
-  Alles gleich belassen?
Nat: Da hätten wir wieder das Haus. Dazu ein Auto, in das unsere altersschwache Dame besser reinklettern kann und ansonsten nur die eine oder andere kleine Anschaffung. Ich schätze, je nach Größe des Gewinns würden wir eine Menge für das Tierheim in Bocholt und für eine Kinderschutzorganisation und ein Hospiz abgeben.

Gerry: Viel würde ich nicht ändern wollen. Der Traum vom Resthof würde sich verwirklichen lassen, somit auch mein Wunsch, Maja mehr Freiheit zu gewähren.
Ein neues, bequemeres Auto und vielleicht ein neues Motorrad.

Familie und Freunde

44. Wann hattet ihr euer Outing und wie sind Freunde und Familie damit umgegangen? Mich interessiert, wie Eure Eltern es aufgenommen haben, dass Ihr gleichgeschlechtlich liebt.
Nat: mein Pa war erst nicht sonderlich angetan davon, hat es aber nach einer gewissen Zeit (so ein bis zwei Jahre) verstanden und akzeptiert.
Meine Mutter war zuerst etwas ungläubig, dann euphorisch und schließlich hat sie es als normal abgehakt. Seitdem haben wir keine Schwierigkeiten miteinander, wenn es um das Thema geht. Beide freuen sich übrigens, dass wir heiraten wollen. 😉

Gerry: Halleluja! Jetzt geht es ans Eingemachte. *seufz
Mein Outing war eher unfreiwillig. Ich war etwas über 15 als der Besitzer des Fitness Studios, das ich regelmäßig besuchte, mich mit meinem Trainer auf der Matte erwischte.
Meine Eltern, die Familie, mit Ausnahme meiner Großeltern, waren ‚not amused‘.
Typisch Kleinstadt, ging es wie ein Lauffeuer durch die Nachbarschaft und ich wurde zur Persona non grata.

45. Wie habt ihr Weihnachten verbracht – je einen Tag für jede Familie – alle Familienmitglieder zusammen oder zu zweit?
Nat: Der Heiligabend gehört allein uns. Die Feiertage der Familie und uns. In diesem Jahr waren wir am ersten Weihnachtstag bei meiner Ma, wo auch mein Pa aus dem Heim zu Besuch war. Wir haben Kaffee getrunken, Kniffel gespielt und uns gut unterhalten.
Wir sehen meine Familie mittlerweile als unsere Familie an.

-  Aus Nathans Büchern lese ich einen großen Zusammenhalt in seiner Familie (trotz „Familie in Aufruhr“) – bei Gerry so gar nicht – trifft das zu?

Gerry: Den ersten Teil der Frage hat Nat schon ausführlich beantwortet, für mich bleibt der Rest.
Ich habe keine Familie mehr, mit der ich solche Feiertage verbringen würde.
Meine Eltern haben mir am Tag meines 18. Geburtstags die gepackten Koffer vor die Tür gestellt. Von daher lege ich keinen Wert auf einen Kontakt irgendwelcher Art.

46. Gab/gibt es irgendwelche Akzeptanzprobleme innerhalb der Familien wegen des Altersunterschieds?
Nat: Altersunterschied?! Na ja, es sind elf Jahre, aber wer Gerry kennt (und das tut meine Familie ja), merkt schnell, dass er sehr viel Lebenserfahrung hat und sehr erwachsen ist. Davon abgesehen ist der Unterschied in unserem Alter ziemlich egal.

Gerry: Ich sehe keinen großen Altersunterschied. Elf Jahre sind doch nichts. :)
Außerdem hält man mich sowieso für den reiferen und vernünftigeren Part. *lach
Ihr kennt Nat nicht! *kicher

47. Wie sieht euer Freundeskreis aus? Ganz gemischt oder mehr gleichgeschlechtliche Pärchen?
Nat: Ziemlich bunt gemischt, ich bin mir bei manchen nicht mal sicher, ob sie hetero oder homosexuell sind. Spielt meistenteils ja auch einfach keine Rolle.

Gerry: Ich kann mich in diesem Fall nur Nats Ausführungen anschließen.

48. Warum oder aus welchen Gründen habt ihr euch damals für Maja entschieden?
Nat: Freunde von uns haben sich ein paar Monate vorher einen neuen Hund aus dem Tierheim geholt, und dann bin ich während eines Telefonats mit diesen Freunden mal auf der Homepage des Tierheims Bocholt gewesen. Ich klickte auf ‚Hunde‘ und sah Maja. Tja, Liebe auf den ersten Blick, obwohl ich nie einen Dobi wollte, sondern lieber eine Dogge oder einen Bobtail …
Ich las den Text neben den Bildern, der in etwa so lautete: „Hallo, ich bin Maja, und ich kann nicht, absolut nicht, allein bleiben.“
Da wusste ich, das ist sie!
Ich habe das übrigens frecherweise nicht großartig lange mit Gerry abgesprochen, sondern bin zum Sommerfest des Tierheims marschiert, um sie mir anzugucken.
Sie kläffte und sprang am Gitter hoch, machte alle anderen Hundis total bekloppt, und da war ich dann ganz sicher: Maja ist mein Hund.
Wir machten Termine mit dem Dauergassigänger aus, Gerry ging brav jedes Mal mit, und nach ein paar Wochen, den letzten Umbauten hier in der Wohnung und allen Formalitäten zog sie am 29.10.2014 hier ein.
Sie ist Familie und mindestens so wichtig, wie für andere Kinder sind.
Glücklicherweise war Gerry auch sofort verknallt in sie <3

Gerry: Ich mache es mal in Kurzform.
Mit Nat zum ersten Gassigang marschiert, Herzchenaugen bekommen und schon war ich in dieses Monster verliebt.

Beziehung

49. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Nat: Kennengelernt haben wir uns durch meine Suche nach Testlesern für ‚Graues Meer und blaue Sonnen‘. (Das war so im März 2013)
Gerry war derjenige, der mit Abstand die konstruktivste Kritik übte, und danach wurden wir FB-Freunde, hatten aber wenig Kontakt. Im Grunde eine sehr lose Bekanntschaft.
Dann kam Halloween 2013. Wir chatteten, ich habe keine Ahnung mehr, wieso wir überhaupt damit angefangen hatten, und das bis morgens, als es schon wieder hell wurde.
Im Laufe der kommenden Wochen wurden aus der einen durchgequatschten Nacht sehr viele Nächte und es wurde zu einer Sucht, mit ihm zu schreiben.
Er war mein Spiegel, konnte mich sehen, wie ich mich nicht sehen wollte, und wir haben uns gegenseitig geholfen, den Blick auf das eigene Ich zu schärfen.
Ich erinnere mich gut an den Satz: „Wenn du dich nicht so sehen kannst, leihe ich dir meine Augen – die sehen dich, wie du wirklich bist!“
Der Kontakt war rein freundschaftlich. Es gab mir Sicherheit, dass er vergeben war, und ich konnte frei und offen mit ihm sein. Wir haben niemals Cybersex oder so gehabt, das, was wir hatten, war viel tiefer.
Eine Art grundsätzliches Verständnis.
Gerry gab mir die Chance und die Kraft, meinen großen Verlust nach acht Jahren endlich zu betrauern und zu verarbeiten. Ich habe nach ebendiesen Jahren zum ersten Mal geheult.
Wir schrieben Gedichte, sehr tiefgehend und gefühlvoll, schlichen umeinander und weigerten uns, zu erkennen, dass wir auf dem Weg waren, uns ineinander zu verlieben.
Ich wollte es auch gar nicht, immerhin war er verheiratet …
Später erzählte er mir – datumsgenau – an welchem Tag er sich in mich verliebt hatte, und es war bereits Mitte November.
Für mich war das der Wahnsinn, und zwar positiv wie negativ.
Ich wollte keine Beziehung zerstören, wusste aber auch genauso gut, dass ich ihn brauchte und er mich. Dass seine Ehe nicht das war, was er sich selbst so gern einredete.
Was das angeht, ist ‚Entscheidung‘ schon durchaus nah dran an der Wahrheit …
Im neuen Jahr, ich glaube im Februar, gestanden wir uns gegenseitig unsere Liebe, denn das war es längst geworden. Profundes Vertrauen, Zuneigung ohne Zweifel.
Trotzdem entschied sich Gerry aus Pflichtbewusstsein und ich denke auch Schuldgefühlen für seine Ehe und gegen mich.
Ich konnte zwar nicht gut damit umgehen, aber ich habe es versucht. Seine Freundschaft war mir wichtiger als eine Liebesbeziehung.
Okay, das habe ich mir eingeredet, aber letztlich nicht durchziehen können.
Ich beschloss, dass ich ihn treffen musste, um mit diesen krassen Gefühlen abschließen zu können. Denn bis dahin hatten wir uns nie live gesehen.
Tja, ich lauerte ihm am 12.3.2014 auf und irgendwie war alles so … verrückt!
In einem Gespräch, in dem wir über ein mögliches Treffen herumfabuliert hatten, hatte ich erzählt, was ich tun würde, wenn er vor mir stünde.
Ich wollte meine Rechte auf sein Herz legen. Keine Umarmung, kein Kuss.
Das tat ich, während wir uns – voll kitschig – in die Augen gesehen haben.
Wir redeten, ein oder zwei Stunden lang, dann trennten sich unsere Wege kurzfristig.
Vorher hatten wir schon geskyped, aber nun telefonierten wir, so oft es ging.
Eine knappe Woche später stand er vor meiner Tür und wieder redeten wir ewig lange.
Ein paar Tage später waren wir offiziell ein Paar.

Gerry: Auf FB bin ich häufig über den Namen Nathan Jaeger gestolpert, und als er Testleser für GMubS suchte, konnte ich endlich meine Neugier nach seinem Schreibstil und seiner Arbeitsweise befriedigen.
Zu Anfang hatte ich arge bedenken, ob ich bei dieser Arbeit nicht mit ihm aneinandergeraten würde, da ich bei Korrekturarbeiten eine echte Nervensäge sein kann.
Ich wurde angenehm überrascht, da Nat sehr gut mit meinen Anmerkungen umgehen konnte.
Wir wurden FB-Freunde und führten gelegentlich ein paar Chats über neue Buchideen.
Allerdings muss ich gestehen, dass wir einige Male aneinandergerieten, da einige seiner Postings / Meinungsäußerungen für mich echt arrogant klangen.
Doch statt öffentlich einen Streit vom Zaun zu brechen, schrieb er mich jedes Mal privat an, um die Sache zu klären. Diese Gespräche weckten meine Neugier, ich wollte ihn näher kennenlernen, wollte ihn besser verstehen.
An Halloween kamen wir zufällig wieder ins Gespräch und diesmal redeten und redeten wir, bis es draußen hell wurde.
Ich weiß gar nicht, wie ich die folgenden Wochen überstanden habe. Meist hatte ich noch kein Auge zugemacht, wenn ich zur Arbeit musste, aber ich wollte einfach nicht ins Bett, dafür waren unsere Gespräche viel zu intensiv.
Nat war der erste Mensch, mit dem ich über alles reden konnte. Er verblüffte mich immer wieder mit seiner Empathie. Niemand konnte so zwischen den Zeilen lesen wie er.
Mit der Zeit schlich er sich immer tiefer in mein Innerstes. Es wurde für mich zur Strafe, wenn ich nicht wenigstens einmal am Tag mit ihm chatten konnte.
Es war das erste Mal für mich, dass ich einen besten Freund hatte, dem ich selbst meine geheimsten Sorgen und Nöte anvertrauen konnte.
Was soll ich noch groß erzählen? Nat schlich sich in mein Herz, wurde ein Teil davon.
Er hatte mir immer wieder gesagt, eine neue Beziehung käme für ihn nicht infrage, schon gar nicht mit einem verheirateten Mann.
Obwohl ich wahnsinnige Angst davor hatte, ihn als Freund zu verlieren, konnte ich es irgendwann nicht mehr für mich behalten, wie sich meine Gefühle ihm gegenüber verändert hatten.
Nun, das Ergebnis ist wohl hinreichend bekannt. :)

50. Steckt wirklich soviel von euch, in euren Büchern? Oder bilde ich mir das nur ein?
Nat: Ja, es steckt sehr viel von uns in manchen Geschichten.

Gerry: Wenn man über Liebe und Beziehungen schreibt, lässt es sich wohl nicht vermeiden, immer ein Stück von sich selbst einzubringen, auch wenn man es gar nicht beabsichtigt.

51. Ihr schreibt ja auch schon länger als ihr zusammen seid, was kam zuerst, die Beziehung oder das gemeinsame Schreiben?
Nat: Ich weiß nicht, woher diese Information stammt, aber sie ist falsch. Wir schreiben erst zusammen, seitdem wir auch zusammen sind. (Zumindest denke ich das, so spontan.)
Die Frage, was zuerst kam, ist in jedem Fall einfach zu beantworten: Selbst wenn viele Gedichte eindeutig für Gerry entstanden sind, gemeinsam geschrieben haben wir erst, nachdem wir offiziell zusammen waren.

Gerry: Wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, haben wie die ersten gemeinsamen Geschichten erst geschrieben, nachdem wir fest zusammen waren.

52. Wie schnell (oder langsam) seid ihr zusammengezogen?
Nat: Wir sind offiziell seit dem 22.3.2014 zusammen. Ende Juli ist Gerry eingezogen. <3

Gerry: Na ja, es ging recht schnell. In der Wohnung meines Mannes konnte ich, nachdem ich ihn vor vollendete Tatsachen gestellt hatte, unmöglich noch lange bleiben.

53. Was mich interessieren würde, wenn man euch hier so liest, seid ihr soo unheimlich verliebt, redet ihr im Alltag auch so oder ist das nur schriftlich?
Nat: Vermutlich müsste es uns peinlich sein, aber tatsächlich reden wir auch so miteinander. Gerry ist mein Baby, wir sagen uns täglich mehrfach, dass wir uns lieben, zeigen es noch öfter (sei es mit frischem Kaffee oder der Bitte, vorsichtig zu fahren).
Wir küssen uns bei jeder, sich bietenden Gelegenheit, teilweise auch mitten im Supermarkt, aber nur so ganz schnell und kurz … Alles andere wäre wohl zu gefährlich in der heutigen Zeit …
Also ja, wir sind im wahren Leben genauso, wie wir schriftlich auf Fb sind. Verliebt wie vor dem ersten Treffen und noch mehr.
Wenn es möglich ist, liebe ich meinen Mann nämlich stündlich mehr. <3

Gerry: Aaaaalso … nur für ‚die Leute‘ würde ich sowas nicht machen.
Es ist auch im Real Life so, dass wir sehr verliebt und zärtlich miteinander umgehen. Okay, wir knutschen nicht unbedingt auf der Straße, einfach um Ärger oder Repressalien zu vermeiden, aber Händchen halten und ein schneller Kuss, wenn uns danach ist, sind schon drin.

54. Wo habt ihr euch das erste Mal geküsst und wer hat den Anfang gemacht und was für ein Kuss war es?
Nat: Nach dem zweiten Treffen hier bei mir habe ich Gerry nach unten zum Motorrad gebracht und … ich bin nicht sicher, wer wen geküsst hat, aber es war ein hungriger, verzweifelter Kuss, weil es ein Abschiedskuss war (wenn auch nur für eine kurze Zeit ohne einander).

Gerry: Es passierte bei meinem zweiten Besuch bei Nat. Er brachte mich zum Parkplatz und dann standen wir da … schauten uns tief in die Augen … keiner traute sich so richtig.
Ich kann nicht genau sagen, wer letztendlich die restlichen Zentimeter überbrückte.
Auf jeden Fall werde ich diesen ersten Kuss niemals vergessen!
Ich wollte nicht gehen, nicht wieder nach Hause, selbst wenn es nur noch für eine kurze Zeit war.

55. Wer ist romantischer von euch zweien (falls ihr überhaupt romantisch seid).
Nat: Ich fürchte, das bin ich, wobei man das so klar nicht sagen kann.
Wenn es um kitschige Kleinigkeiten geht, zum Beispiel Zettelchen mit Liebesbotschaften, wenn ich erst morgens ins Bett gehe, während Gerry schon lange pennt, oder eine kurze Nachricht im Messenger, wenn einer von uns allein unterwegs ist … Blumen oder sowas schenken wir uns selten. Zuletzt habe ich Gerry ein Lebensbäumchen für den Balkon mitgebracht, weil es so ein bisschen weihnachtlich aussah (mit Schnee dran).
Beim Einkaufen, also wenn einer bei Maja bleibt, und einer allein losdüsen muss, bringt der Einkäufer sehr oft eine Leckerei für den anderen mit.

Gerry: Gute Frage *lach
Natürlich Nat, ich bin doch kein Romantiker! *Finger über Kreuz leg*
Nein, Spaß beiseite. Ich glaube, wir tun uns da beide nicht sehr viel.
Wenn ich allein unterwegs bin, schickt Nat mir verliebte Nachrichten über den Messi. Dafür bringe ich ihm vom Einkaufen oft etwas mit, was er sehr gerne mag.
Wenn ich gekocht habe, decke ich den Tisch manchmal richtig nett ein.
Einfach nur Kleinigkeiten, die dem anderen zeigen sollen, wie sehr man ihn liebt.

56. Gab es schon mal eine Situation, Verhaltensweise, Reaktion oder nen Spruch für die ihr euch für den Anderen "fremdgeschämt" habt?
Nat: Es würde von bemerkenswert schlechtem Geschmack zeugen, wenn ich mich jemals für meinen Mann fremdschämen müsste. Also nein, ist nie vorgekommen und wird auch nie vorkommen.

Gerry: Nein! Ich könnte nicht mit einem Menschen zusammen sein, der sich so daneben benehmen würde, dass ich mich für ihn schämen müsste.
Davon abgesehen, wäre so etwas völlig gegen Nats Natur.

57. Wart ihr schon gemeinsam in einer Sauna?
Nat: Nein, ich vertrage auch die mildeste Sauna nicht.

Gerry: Da Nat Sauna absolut nicht verträgt, wird es nie dazu kommen.
Ich für meinen Teil gehe sehr gern in die Sauna und mache das auch hin und wieder nach dem Sport.

58. Habt ihr euch mal "sexy Schlüpper" geschenkt und wenn ja, wer sah in seinem besser aus?
Nat: *pruuuuust* Allein die Vorstellung!!! Also irgendwie passen ‚sexy‘ und ‚Schlüppi‘ schon nicht zusammen, oder? Und nein, Reizwäsche in dem Sinne haben wir uns nie geschenkt, weil wir sie nicht brauchen. Da ist es eher so, dass einer von uns heimlich neues, schickes Spielzeug organisiert ^^
Aber ich kann versichern, dass Gerry im Adamskostüm mit schicken, schwarzen Manschetten an Hand- und Fußgelenken seeeeehr gut aussieht. xD

Gerry: *vorLachenuntermTischlieg*
Aaaaalso … sexy Schlüpper gibt es bei uns ganz sicher nicht. *schauder
Aber mal ehrlich, was stellt Ihr Euch darunter eigentlich vor?
String Tanga? Slip mit Elefantenkonterfei?
Ich würde mich wohl schlapplachen, wenn Nat so etwas tragen würde.
Mir gefällt nackte Haut wesentlich besser, von daher würde ich nie auf die Idee kommen, Nat in sogenannte ‚Reizwäsche‘ hüllen zu wollen.
Außerdem stehen ihm seine normalen Pants ausgezeichnet, da brauche ich keine zusätzlichen Reize.

59. Was ist euer Lieblings-Tick am jeweils anderen?
Nat: Hm, ich grüble, seitdem ich diese Frage gesehen habe, ob Gerry überhaupt einen echten Tick hat, und mir ist keiner eingefallen. Demnach habe ich auch keinen Lieblingstick …

Gerry: Keine Ahnung, ob man es als Tick bezeichnen kann, aber Nat hat die äußerst liebenswerte Angewohnheit, mich stets und ständig zum Lachen bringen zu wollen.
Völlig egal, ob ich müde, gereizt oder richtig zornig bin.
Ich kann noch so sehr versuchen, mich von seinen Albernheiten nicht beeindrucken zu lassen, es dauert keine Minute und schon hat er mich wieder.
Selbst wenn ich auf ihn sauer bin, gelingt es ihm immer wieder.

60. Nach dem öffnen der Ehe für alle, traut ihr euch auch? Habt ihr schon? Wenn ja Feier im kleinen Kreis, keine Feier oder einfach lassen wie es ist?
Nat: Wir sind noch nicht verheiratet, aber ja, es ist in Planung. Wir werden es still und ohne große Ankündigung bei Freunden und Familien einfach ‚tun‘.
Anschließend wollen wir ganz in Ruhe, evtl. mit Maja, irgendwo hin und gemeinsam essen. Aber wir planen weder eine Party noch etwas anderes in der Richtung.

Gerry: Klar trauen wir uns. :) Es müssen nur noch ein paar Formalitäten erledigt werden, dann können wir den Termin festlegen.
Wir sind uns von Anfang an darüber einig gewesen, dass wir heimlich, still und leise heiraten. Keine Familie, keine Freunde, nur wir und ggf. Maja, wenn wir sie mitnehmen dürfen.