Sonntag, 24. Dezember 2017

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr

Mein Schatz und Maja haben sich zu einem Mittagsschläfchen verzogen und ich sitze am Schreibtisch, starre auf kahle Bäume und einen trüben, megagrauen Himmel.

Die Welt schweigt, als müsse sie sich von der Hektik und dem Stress der letzten Tage erholen. Atem holen, Kraft schöpfen, Energie tanken, für ein weiteres aufregendes Jahr.

Das fröhliche Lied eines Vogels unterbricht die mich umgebende dröhnende Stille.

Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Ich erinnere mich der gefiederten Gesellen, die, wie Orgelpfeifen aufgereiht, auf dem Balkongeländer hocken und geduldig warten, bis die Reihe an ihnen ist, in das gut gefüllte Futterhäuschen zu hüpfen und sich den Bauch vollzuschlagen.

Ich lehne mich zurück, lege die Füße auf den vom Alter zerknautschten Lederhocker und lasse meine Gedanken schweifen.

Erinnerungen tauchen auf. Blitzlichtern gleich, blenden sie mich. Lassen sich nicht greifen, erfassen.

Tief durchatmen, entspannen, die Augen schließen.

Der Vorhang hebt sich … 3 – 2 – 1 – … Wie in einem Kino der 20er Jahre startet ein Film. Zuerst wacklig, dann stellt sich das Kameraobjektiv scharf, zeigt mir klare Bilder.

Erschütternde – von guten Bekannten, die das Liebste in ihrem Leben verloren haben.
Traurige – über Angehörige mit unheilbaren Krankheiten.
Bedrückende – von langjährigen Freunden, gestraft mit geistigem und körperlichem Verfall.

Als wäre das nicht genug, setzt sich der Film mit Aufnahmen von Wetter- und Umweltkatastrophen, Kriegen, Rassismus, Homophobie und weltweiten politischen Intrigen fort.

Ich gerate in einen wilden Strudel, verliere den Boden unter den Füßen, drohe in einem Meer aus Hoffnungslosigkeit zu ertrinken.

Instinktiv schlage ich auf eine imaginäre Stopp-Taste in meinem Kopf, halte den düsteren Erinnerungsfilm an.

Mir ist so kalt! Ich schlinge die Arme um meinen Oberkörper, um nicht innerlich zu erfrieren.

So habe ich mir den Nachmittag des Heiligabends nicht vorgestellt.

Erneut dringt das unbeschwerte Lied einiger Vögel an mein Ohr, reißt mich aus der beginnenden Lethargie.

Ich öffne die Augen, sehe immer noch, wie die nackten Äste der Bäume sich gen Himmel strecken, als würden sie um ein wenig Sonne bitten.

Inzwischen ist die Wolkendecke aufgerissen, zeigt Ausschnitte eines blassblauen Firmaments.

Meine Laune hebt sich, wenn auch nur um eine Winzigkeit.

Das Brummen eines sich nähernden Autos dringt durch das angekippte Fenster zu mir herauf. Das Motorengeräusch erstirbt, Türen klappen und aufgeregte Kinderstimmen plappern wild durcheinander.

Ich verstehe zwar kein Wort, aber aufgrund des heutigen Datums ist klar, dass die Kleinen sich auf die anstehende Bescherung freuen.

Lächelnd denke ich an die vier Weihnachtsabende zurück, die meine Sicht auf dieses Fest nachhaltig verändert haben.

Soll ich es wagen, den Film weiterlaufen zu lassen?

Ein weiteres Mal schließe ich die Augen, strecke im Geiste die Hand aus und drücke mit zitternden Fingern den Kopf.

Flackernd erscheint das Gesicht des wichtigsten Menschen in meinem Leben auf der Leinwand.

Ich blicke auf Momente absoluter Verbundenheit.

Wärme – in Augenblicken eisiger innerer Kälte.
Tröstende Umarmungen – wenn alles um mich herum zusammenbricht.
Liebe – sanft, bestimmend, einfühlsam, mich in jeder Sekunde umhüllend.

Erinnerungen an gute Freunde folgen diesen Bildern. Menschen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit einfach die Hand ausstrecken und in schweren Zeiten für einen da sind.

Eine kalte, nasse Hundenase stupst gegen meine Hand und unterbricht meinen Rückblick. Lachend öffne ich die Augen und schaue auf eine wild wedelnde Fellnase.
Rigoros schiebt Maja ihre Schnauze unter meinem angewinkelten Arm durch und legt ihren Kopf auf meinen Schoß. Eine unmissverständliche Aufforderung, sie mit Streicheleinheiten verwöhnen zu dürfen.

Die weihnachtliche Besinnungsstunde ist eindeutig vorbei.

Die Anwesenheit des Hundetiers und entsprechende Geräusche aus dem hinteren Teil der Wohnung bekunden, dass Schatz aufgewacht ist. Wir werden uns jetzt einen gemütlichen Abend machen und nicht länger am PC hocken.

Da mir nicht mehr viel Zeit bleibt, möchte ich diesen Bericht wie folgt abschließen:
Egal, wie viele beschissene Ereignisse das vergangene Jahr uns beschert hat, man darf nie die schönen, aufbauenden, teilweise zuckersüßen Momente aus den Augen verlieren, sonst überrollt einen die Dunkelheit und das Leben erscheint einem sinnlos.

Es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels!

In diesem Sinne möchte ich mich bei allen realen Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern bedanken.

Allen Leserinnen und Lesern, FB-Freunden und Followern danke ich dafür, dass Ihr mir schon so lange die Treue haltet.

Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein friedliches, besinnliches Weihnachtsfest und dass all Eure Wünsche für das neue Jahr in Erfüllung gehen.

Liebe Grüße und bis bald

Euer Gerry